Thomas Stangl

Der einzige Ort

Roman
Cover: Der einzige Ort
Droschl Verlag, Graz 2004
ISBN 9783854206491
Gebunden, 408 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bewegen sich zwei wenig bekannte Reisende auf die für Europäer noch immer sagenhafte Stadt Timbuktu zu: der eine ist Major Alexander Gordon Laing, der eine Karawane von Tripolis aus durch die Sahara führt, der andere ist Rene Caillie, von niemandem beauftragt und von niemandem unterstützt, der als Moslem, allein und mit wechselnden Begleitern, von Senegal her den Niger zu erreichen sucht. Bald hintereinander, 1826 und 1828, gelangen beide in die begehrte Stadt und verlassen sie bald wieder, der eine erreicht nach unerträglichen Strapazen Marokko und dann Frankreich, der andere bleibt verschollen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.07.2004

Exotismusverdacht unbegründet - literarische Expedition gelungen! Karl- Markus Gauß war zunächst ein wenig skeptisch ob Thomas Stangls Thema: die Suche zweier Europäer - eines Engländers, eines Franzosen - nach dem sagenumwobenen Timbuktu im frühen 19. Jahrhundert. Doch schnell stellte sich heraus, dass der Autor es nicht auf "existentielle Grenzerfahrungen" als Therapeutikum gegen modernen Überdruss abgesehen hat, sondern in seinem "ethnographischen Abenteuerroman" gerade "jene Missverständnisse thematisiert, die der Exotismus als kulturelles Rahmenprogramm des Kolonialismus populär gemacht hat". Das tut er in "klugen Exkursen", die dem Rezensenten Beleg für eine meisterliche erzählerische Leistung sind: Der Wechsel zwischen Erzählung und Kommentar funktioniert bruchlos. Und während sich Timbuktu für die beiden an Herz, Körper und Kopf zunehmend zerrütteten Abenteurer als Enttäuschung erweist, läuft der "Beschreibungskünstler" Stangl zu Hochform auf, findet adäquate sprachliche Mittel für körperlichen Schmerz ebenso wie für die Details afrikanischer Landschaften, um dann wieder mit großer Souveränität die Geister der europäischen Phantasien von der Welt zu rufen: Victor Segalen, der John de Mandeville, Leo Frobenius. Erzählerisches Talent und wohl durchdachtes Sujet ergeben: "ein glänzendes Debüt"!

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.06.2004

Eine Geschichte "mit Sog" erzählt der Thomas Stangl in seinem Debütroman, in dem er sich auf die Spuren des Engländers Alexander Gordon Laing und des Franzosen Rene Caillie begibt, die ins sagenumwobene Timbuktu führen. Ein "entromantisiertes Abenteuer" ist dabei entstanden, findet Rezensentin Olga Martynova, dessen eigentlicher Gegenstand das "Aufeinanderprallen" verschiedener Perspektiven auf Afrika ist. Mit viel Sprachkunst und Intelligenz" lasse der Wiener Autor Stangl seine beiden Protagonisten unabhängig voneinander die Reise durch Wüsten und Nomadenstädte erleben, bis er ihre "schemenhafte Begegnung" in Timbuktu arrangiert. Eine "Afrikaparabel" für Erwachsene, "nüchtern und zugleich bezaubernd."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2004

Andreas Langenbacher hat dieses Romandebüt des österreichischen Autors Thomas Stangl sehr gefallen. Darin werden zwei Reisende beschrieben, die, ohne vom anderen zu wissen, um 1820 die afrikanische Wüstenstadt Timbuktu zu erreichen und zu erkunden suchen, fasst der Rezensent zusammen. Die "ausholenden, aber disziplinierten" Schilderungen erinnern an die Reisegeschwindigkeit einer Karawane, findet Langenbacher. Er lobt Stangl, weil er die "Innenansicht des europäischen Exotismus" im 19. Jahrhundert und das beginnende Interesse an der Kolonialisierung Afrikas zu Tage treten lasse. Besonders interessiert den Rezensenten aber, dass es dem Autor in seinem Roman gelingt zu demonstrieren, dass jedes "ernsthafte" literarische Projekt auch immer die Suche nach einem unbekannten Ort ist und etwas von "existentiellem Exotismus" aufweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2004

Grandios findet Rezensent Tilman Spreckelsen "dieses außergewöhnliche Debüt" des Wiener Autors Thomas Stangl, das die unterschiedlichen Reisen von zwei kaum mehr bekannten Forschern aus der Biedermeierzeit - Alexander Gordon Laing und Rene Caillie - nach Timbuktu erzählt. Im Mittelpunkt des Roman sieht der Rezensent das Wechselspiel aus Begierde und Erschöpfung des schottischen und des französischen Forschers. Stangl zeichne die Glücksmomente und Strapazen, die Wartezeiten und mühsamen Wanderungen nach, ohne sich im geringsten an der ausufernden Abschweifung hindern zu lassen oder den Rhythmus seines Erzählens der Reisegeschwindigkeit anzugleichen. Seine nüchterne Einfühlung in die beiden europäischen Reisenden zählt für Spreckelsen zum Besten, was aus seiner Sicht im historischen Roman überhaupt zu erreichen ist.
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