Fasziniert von den vielen Heldengeschichten über eine Wallfahrt zu den vermeintlichen Gebeinen St. Jakobs in der Kathedrale von Santiago de Compostela nimmt der von Haus aus eher ungläubige Engländer sein Herz und die Zügel doch in die Hand: In Begleitung eines französischen Esels namens Shinto begibt sich Tim Moore auf heiliges spanisches Terrain - ausgestattet mit einem Pilgerführer aus dem zwölften Jahrhundert, ein paar Eseltipps des "Schatzinsel"-Autors Robert Louis Stevenson und der vagen Hoffnung, das Abenteuer Jakobsweg könne das pechschwarze Krebsgeschwür des Zynismus austreiben, das seit Jahren an seiner skeptischen Seele frisst. Und im Laufe seines 800 Kilometer währenden Kampfes wider den tierischen Starrsinn, ständige Wetterkapriolen und unglaublich durchgelegene Dreistockbetten erfährt Tim Moore am eigenen Leib: Diese Wallfahrt ist für die multinationale Combo von Exzentrikern, die den Mythos Santiago mit zumeist verschrobener Inbrunst am Leben hält, längst kein Unternehmen gottergebener Selbstkasteiung mehr. Sondern: Die vielleicht längste Psychiater-Couch der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2006
"Gern und mit Gewinn" hat Christian Jostmann dieses Wanderbuch von Tim Moore gelesen, der sich Jostmanns Darstellung zufolge darauf spezialisiert hat, sportliche Ereignisse wie die Tour de France oder eben den Jakobsweg als "satirisch-masochistische Selbsterfahrung" zu nutzen. Die Komik des Buches liegt laut Jostmann zum einem in dem tradierten Unverständnis der Briten für Spanien und dem noch schwierigeren Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Denn Moore hat den wieder in Mode gekommenen Pilgerweg zusammen mit einem Esel beschritten. Einige der Witze findet der Rezensent zwar arg derb, doch konnte er sich immer wieder an der "ätzenden Präzision" freuen, mit der Moore die "Internationale der Heilssucher" beschreibt.
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