Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. Die Krise der Banken hat die Risiken eines entfesselten Marktes deutlich genug gezeigt. In seiner letzten großen Rede an der New York University warnte Tony Judt davor, Ideale wie Gerechtigkeit und Chancengleichheit der sogenannten Logik des Marktes zu opfern. Aus dieser Rede entstand sein letztes Buch. Eingebettet in den historischen Kontext, verteidigt er das Ideal einer gerechten Gesellschaft und Politik, und er ruft uns ins Bewusstsein, wie viel wir dem sorgenden Staat des 20. Jahrhunderts verdanken. Tony Judt erweist sich noch einmal als souveräner Kenner unserer jüngsten Geschichte und als Historiker, der seine Arbeit als Beitrag zur Aufklärung der Öffentlichkeit verstanden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.05.2011
Ein "Buch für die Generationen der Nach-1980-Geborenen" sieht Hans-Martin Lohmann in Tony Judts "Dem Land geht es schlecht", haben sie doch nichts anderes als das neoliberale Mantra von freien Märkten und Privatisierung erlebt. Der im vorigen Jahr verstorbene judt führt dem Rezensenten überzeugend die negativen sozialökonomischen Auswirkungen eines marktradikalen Liberalismus in den westlichen Gesellschaften vor Augen. Nicht alle Einsichten Judts sind für ihn neu. Nichtsdestoweniger findet er es wichtig, wie eindringlich dieser vor der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft in Arm und Reich und den demoralisierenden Folgen für das Gemeinwesen warnt. Dabei gehe es dem Autor nicht um eine Abschaffung des Kapitalismus, aber um seine Einhegung. In diesem Zusammenhang hebt Lohmann hervor, dass Judt auch die Sozialdemokratie eindringlich an ihre Tradition erinnert, an Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratie. Sein Fazit: ein sympathisches Buch, das allerdings gegenüber der auch bei Sozialdemokraten und Grünen verbreiteten privaten Anspruchsmentalität "blind" bleibt.
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