Tove Ditlevsen

Böses Glück

Storys
Cover: Böses Glück
Aufbau Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783351039523
Gebunden, 176 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Eine frisch verheiratete Frau sehnt sich obsessiv nach einem gelben Regenschirm. Ein Ehemann verjagt die geliebte Katze seiner Frau. Eine betrogene Mutter entlässt impulsiv ihre Haushälterin. Unter der Oberfläche dieser unbeirrbar scharf beobachteten Geschichten über Liebe und Beziehungen im Kopenhagen des 20. Jahrhunderts pulsieren Verlangen und Verzweiflung. Während vor allem die Frauen darum kämpfen, den ihnen zugewiesenen Rollen zu entkommen, träumen sie davon, frei und glücklich zu werden - ohne je ganz zu verstehen, was das wahrhaft bedeuten könnte. Luzide kartografiert Ditlevsen Momente des Alltags, die ein Leben in eine andere Richtung wenden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.06.2023

Rezenent Jens Uthoff schreibt nichts Neues über Tove Ditlevsen. Vom "Sound" der wiederentdeckten Autorin, die sich 1976 das Leben nahm, haben wir schon oft gelesen. Laut Uthoff tönen auch Ditlevsens Erzählungen so: leise, verdichtet, voll von verhaltenen Ängsten, die beim Leser nachklingen. Uthoff vermerkt, dass die Texte um das Unglück in der Ehe kreisen, um kleine Fluchten und die patriachalische Gesellschaft, in der Ditlevsen lebte. Unverstellte Psychogeografien von Beziehungen sind die Texte für ihn.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.05.2023

Einfach klasse findet Rezensentin Angela Gutzeit, wie die dänische Autorin Tove Ditlevsen sie mit einem einzigen Satz in den Bann ihrer Geschichten zieht: "kurz, knapp und unheilvoll". Das funktionierte schon bei Ditlevsens Romanen und klappt auch prima bei den Kurzgeschichten. Gutzeit kann gar nicht genug bekommen vom Ditlevsen-Sound, der so schlicht und packend von weiblicher Resignation erzählt. Aber auch wenn die Autorin, die selbst durchaus erfolgreich war, wie Gutzeit betont, oft genug die Ehe als Gefängnis ausmalt, sind ihre Protagonistinnen nicht nur enttäuschte Verliererinnen und Opfer männlicher Gewalt, betont die Rezensentin: Hin und wieder können sie ihrerseits auch ziemlich "kalt und grausam" sein.     

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.05.2023

Rezensent Steffen Herrmann bewundert Tove Ditlevsens kurze Form. Wie die Autorin auch in ihren Kurzgeschichten das Leben der Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet, glasklar und lieber im Anschnitt als ausufernd wie Knausgard, gefällt Herrmann gut. Immer wieder blitzen rebellische Träume von einem anderen Leben auf, bevor die Protagonistinnen sich weiter durch ihr Alltagsdasein als Ehefrauen und Mütter quälen, erklärt der Rezensent. Schonungslos sind die Texte insofern, als die Autorin ihre Figuren sicher ins Unglück treibt. Die Männer tauchen dabei nur am Rand auf, so Herrmann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2023

Rezensentin Maike Albath kann nur bewundern, wie die dänische Lyrikerin und Autorin Tove Ditlevsen auf engstem Raum Figuren, Lebensläufe und geplatzte Träume entwerfen kann. Der Band vereint Kurzgeschichten aus zwei Sammlungen von 1952 und 1963, lesen wir. In einer für Ditlevsen spezifischen "Ästhetik der Verknappung" weiß Ditlevsen, menschliche Abgründe zu schildern, schreibt die Kritikerin beeindruckt. Immer wieder schimmern Elemente aus der autobiografisch geprägten Trilogie der Autorin durch, weiß die Rezensentin, ein Pionier-Stück der Autofiktionalität, in der die Brüchigkeit des Subjekts verhandelt werde. Die Kombination lyrischer Vergleiche mit reduziertem Satzbau und eher neutraler Sprache entfaltet in den Texten eine große sprachliche Kraft, schwärmt Albath, wenn die Autorin das "Dilemma selbstbestimmter Weiblichkeit" pointiert verhandelt.
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