Aus dem Amerikanischen von Michael Adrian. Dreißig Jahre nachdem er Israel in Richtung USA verlassen hat, kehrte Tuvia Tenenbom, der Sohn eines Rabbiners, zurück in seine Heimat, um sich ein eigenes Bild davon zu machen, wie sich die kulturelle und politische Identität Israels verändert hat. Dafür ist er wieder kreuz und quer durchs Land gereist: vom Gazastreifen bis zu den Golanhöhen, von Eilat bis zu den Hisbollah-Stellungen im Norden. Und schon bald erkennt er, dass man, um dieses Land wirklich zu verstehen, mit allen sprechen muss: mit Ultraorthodoxen und Atheisten, mit Fundamentalisten jeglicher Couleur, mit Kibbuzniks und Siedlern, Rabbis und Imamen, mit Mystikern und Intellektuellen, Militärs und Geheimagenten, mit israelischen Prominenten und palästinensischen Politikern, mit Journalisten und NGO-Aktivisten u.v.m.
Mit mehr Wissen als zuvor und dennoch ohne Ahnung, was den Nahen Osten angeht, geht Henryk M. Broder aus Tuvia Tenenboms wilder Reise durchs gelobte Land hervor. Mut gesteht er dem Autor zu, Mut, als Deutscher in Lederhosen getarnt durchs Land zu reisen und NGOs oder einen palästinensischen General zu interviewen. Wenn dabei etwas herauskommt, ist das für Broder aber auch der Verrücktheit des Autors zu danken. Und was kommt heraus? Literatur, meint Broder, einfache Erklärungen für scheinbar Mysteriöses, wie der direkte Draht der Rabbis zu Gott, der sich als cleveres Bezahlsystem erweist. Das ganze Drama im Heilige Land erschließt der Autor dem Rezensenten so erfrischend subjekiv und witzig wie lange keiner.
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