Ulrich Pohlmann

Taormina - Der Traum vom Eros des Südens

Leben und Werk des großen Fotografen Wilhelm von Gloeden 1856 - 1931
Cover: Taormina - Der Traum vom Eros des Südens
Schirmer und Mosel Verlag, München 2025
ISBN 9783829609753
Gebunden, 348 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Mit 190 Farbtafeln und 30 Abbildungen. Wilhelm von Gloeden (1856-1931), Spross eines preußischen Adelsgeschlechts, hatte sich zur Heilung eines Lungenleidens in Taormina auf Sizilien niedergelassen. Hier, in einem von Sonne, Eros und Schönheit gesättigten Süden, entstanden seine "lebenden Bilder", in denen er nach antiken Motiven Aktphotografien von Knaben und jungen Männern inszenierte. Nicht nur in homoerotischen Kreisen wurden seine Bilder bald zu Sammelobjekten. Auch ihre Wirkung und ihr Einfluss auf andere Fotografen und die zeitgenössische Kunstwelt - etwa Picasso oder Thomas Mann - sind bis ins 20. Jahrhundert hinein nachzuverfolgen. Ulrich Pohlmann, Foto- und Kunsthistoriker aus München, legt mit seiner ersten wissenschaftlichen Gloeden-Monografie eine detaillierte Erforschung des gesamten Werks und seiner Rezeption vor. Neben den Klassikern der homoerotischen Fotografie kommen dabei auch Gloedens Aufnahmen von Taormina im späten 19. Jahrhundert und von Trachten der damaligen Dorfbewohner in den Blick.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2026

Wilhelm von Gloeden fühlte sich auf Sizilien wie im Paradies: all diese jungen Männer - arm, schön und nackt, so inszenierte er sie und wurde damit als Fotograf im 19. Jahrhundert berühmt. Allerdings konnte schon 1931 das Neue Wiener Journal diese sentimentalen "Gefühlsinszenierungen", die auf glücklichere präindustrielle Zeit verweisen wollten, kaum noch ertragen, erzählt Rezensent Philipp Meier. Immerhin: Gloeden machte Taormina bekannt und er war, wie immer man zu seinen Bildern steht, ein "Pionier der männlichen Aktfotografie", der laut Meier Künstler von Picasso bis Mapplethorpe und Warhol beeinflusste. Goeden liebte die Sizilianer, deren Anmut und Stolz griechische Statuen widerspiegelten. Für die individuellen Personen, die wahrscheinlich stärker von Armut und harter Arbeit gezeichnet waren, als Gloeden sehen lassen wollte, interessierte er sich nicht, denkt sich Meier. Doch der "künstlerische Firnis" bröckelt nach über hundert Jahre, erkennt Meier. Er jedenfalls findet Durchblättern des Buchs durchaus Hinweise auf individuelle Befindlichkeiten der fotografierten Armen von Sizilien.

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