Das Buch analysiert den Freiheitsgewinn, der für lesbische Frauen in der Moderne durch Enttraditionalisierung und Individualisierung entstanden ist, und untersucht zugleich die Norm der Heterosexualität als Rahmenbedingung biografischer Entwicklungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.01.2004
Gottfried Oy hat dieses Buch über Individualisierungstheorien und lesbische Lebensgestaltung mit Interesse und Gewinn gelesen. Die Autorin setzt sich zunächst mit den Individualisierungstheorien von Zygmunt Bauman, Anthony Giddens, Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim auseinander und überprüft deren Thesen an fünf ausgewählten Lebensläufen lesbischer Frauen, fasst der Rezensent zusammen. Er findet, dass die Autorin Ulrike Hänsch zu Recht die Individualisierungstheorien als "Nabelschau der Mehrheitsgesellschaft" entlarvt und plausibel macht, dass heterosexuelle Normen noch immer als "Grundkonstanten" lesbischer Biografien angesehen werden müssen. Wenn Hänsch in ihrem Buch den erst 20 Jahre alten "feministischen Diskurs" rekapituliert, wird deutlich, dass eine "entpathologisierende" Deutung lesbischer Lebensentwürfe immer noch notwendig ist, schreibt der Rezensent weiter. Er attestiert der Autorin, den "Übergang" von der Untersuchung der Individualisierungstheorien zur Analyse der lesbischen Biografien "spielend" zu meistern und preist die "Komplexität ihrer intelligenten Kritik" an diesen Theorien. Einzig, dass manche zu Beginn angerissenen Themen am Ende "auf der Strecke bleiben", findet Oy etwas schade, aber insgesamt ist er von dieser Studie sehr angetan.
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