Nicht Walter Gropius steht in dieser Geschichte im Rampenlicht (er hat sich zeitlebens selbst gehörig in Szene gesetzt), sondern Mutter, Geliebte, Ehefrau und was es sonst noch an weiblichen Wesen im Umfeld des Meisters gab. Doch keine Sorge - Ursula Muscheler blickt nicht verhuscht durchs Schlüsselloch auf allzu private Szenen, sondern hinter die Kulisse des großen Architekten auf seine geliebten, klugen, gebildeten, tatkräftigen Gehilfinnen: Manon Gropius, Alma Mahler, Lily Hildebrandt, Maria Benemann und Ise Gropius. Hinter jedem erfolgreichen Mann stehe eine starke Frau, sagt der Volksmund. Dass diese überaus begabten Frauen zeitlebens im Schatten von Gropius und anderen Männern standen, ist die bedauerliche Pointe dieser Skizze.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2019
Katharina Rudolph ist ganz Ohr, wenn Ursula Muscheler die Liebesbriefe von Walter Gropius seziert. Dass es im Buch aber vor allem um Gropius' Frauen geht, Alma Mahler, die Schriftstellerin Maria Benemann oder eben Gropius' spätere Ehefrau Ise Frank, gefällt Rudolph gut. Muschelers Arbeit scheint ihr pointiert, ironisch und unterhaltsam, auch wenn das Urteil der Autorin hart ausfällt: Gropius' Frauen seien Übergangsgeschöpfe gewesen, die im Bund mit Gropius allzu schnell in alte Geschlechterrollen zurückfielen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018
Rezensentin Catrin Lorch kennt Ursula Muscheler seit ihrem Buch "Das rote Bauhaus", in dem sie jene Architekten in den Blick nahm, die in die Sowjetunion emigriert waren. So gelungen findet Lorch das neue Buch allerdings nicht. Muscheler kapriziert sich in "Mutter, Muse und Frau Bauhaus" auf die Frauen im Leben von Walter Gropius, allen voran die flamboyante Künstlermuse und Trophäenfrau Alma Mahler-Werfel, aber auch die Malerin Lily Hildebrandt, die Dichterin Maria Benemann und seine spätere Frau Ise Gropius. Die private Korrespondenz gibt einiges her, räumt Lorch ein, besonders turbulent sei natürlich die Korrespondenz mit Alma Mahler. Doch die Konzentration auf die Frauengeschichten ermüdet die Rezensentin mit der Zeit, vor allem weil die Autorin Walter Gropius als Künstler nicht gerecht wird. Einen der bedeutendsten, charismatischsten und weltläufigsten Architekten des 20. Jahrhunderts auf einen "narzisstischen, eitlen Mann" zu reduzieren, wirkt auf die Rezensentin kleinmütig.
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