Ursula Weidenfeld

Das doppelte Deutschland

Eine Parallelgeschichte, 1949 - 1990
Cover: Das doppelte Deutschland
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783737101677
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Bisher gibt es, zumindest in der westdeutschen Erinnerung, die Bundesrepublik (oder ganz einfach: "Deutschland") und daneben die DDR, üblicherweise als der "zweite deutsche Staat" bezeichnet. Deren Geschichte wird immer von hinten erzählt, vom Ende her - das ist die übliche Strafe für gescheiterte Staaten. Dagegen wird die Geschichte Westdeutschlands von Beginn an geschrieben, ihre Eckpunkte sind die Eckpunkte "Deutschlands" von der Staatsgründung bis heute. Diese Sichtweise aber ignoriert das Offene in der Entwicklung beider politischer Systeme. Ursula Weidenfeld macht es deshalb anders: Sie schildert eine einzigartige Parallel- und Wettbewerbssituation, in der sich zwei Staaten wie die beiden Teile eines Magneten gleichzeitig anzogen und abstießen. Diese beiden Länder einander gegenüberzustellen, sie miteinander und nebeneinander zu betrachten, ergibt eine neue deutsche Geschichte von 1949 bis heute.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2024

Ein wichtiges Thema verhandelt Ursula Weidenfelds Buch laut Rezensent Christian Hillgruber: die Geschichte des doppelten Deutschlands, der BRD und der DDR, zweier Länder, die getrennt und doch stets gegenseitig auf sich bezogen waren. Weidenfeld denkt diese Geschichte, erfahren wir, nicht vom Ende, sondern vom Anfang her. Hillgrubers Rezension erzählt in erster Linie entlang des besprochenen Buches die Geschichte dieser beiden Staaten nach, von den Gründungen in Anbindung an die Besatzungsmächte, über den Mauerbau und die 68er-Generation bis zur Wiedervereinigung. Auch die Paketsendungen zwischen den beiden Ländern analysiert Weidenfeld, legt Hillgruber dar, klar zeigte der Warenaustausch die Differenz von "Markt-und Mangewirtschaft" an. Auch der Sport spielt eine Rolle, so der Rezensent. Lobend erwähnt Hillgruber, dass Weidenfeld auch die Perspektiven weniger bekannter Zeitzeugen in ihr Buch aufnimmt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2024

Ganz neu ist die Idee, eine Doppelgeschichte der beiden deutschen Staaten BRD und DDR zu schreiben, nicht, meint Rezensent Werner Bührer, aber Ursula Weidenfelds Buch, das sich genau dieses Programm setzt, liest er dennoch gern. Die Journalistin stellt darin, lesen wir, eher auf Sekundär- als auf Primärquellenbasis, die politische und gesellschaftliche Entwicklung im Osten und im Westen nach. Ausgangspunkte sind dabei die unmittelbare Nachkriegszeit und die mit wenig echter Überzeugung durchgeführte Entnazifizierung. Anschließend werden Themen wie der Mauerbau und die 68er-Generation, die sich in beiden Ländern ähnlicher war als man manchmal meint, behandelt, besonders interessiert Bührer sich für Passagen zu den Paketen, die zwischen beiden Ländern hin und her geschickt wurden. Die Wende und die Zeit danach wird von Weidenfeld laut Bührer vor allem mit Blick auf Versäumnisse dargestellt. Insgesamt eine ausgewogene, abwechslungsreiche, gut lesbare Darstellung, findet der Rezensent, die nicht aus arroganter Wessiperspektive auf den Osten herabschaut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2024

Vor allem junge und westdeutsche Leser werden Ursula Weidenfelds Buch mit Gewinn lesen, glaubt Rezensent Erich Weede. Die Journalistin erzählt darin, lesen wir, die Geschichte der beiden deutschen Staaten seit ihrer Gründung bis zur Wiedervereinigung mitsamt ihren Folgen. Weede zeichnet entlang Weidenfelds Darstellung die deutsch-deutsche Geschichte nach. So schreibt er nach Weidenfeld über die Demontagen, die vor allem die Ostzone nach dem Krieg empfindlich schwächten, über Wirtschaftswunder und Mauerbau, über die Entfremdung vor allem des Westens vom Osten im Verlauf der 1960er und 1970er, über die wenig erfolgreichen Versuche der DDR-Führung, die Menschen im Osten an den Staat zu binden sowie über die Dynamiken, die zum Mauerfall führten. Da der Osten über den Westen stets besser Bescheid wusste als umgekehrt, kann das Buch laut Weede vor allem die Wissenslücken der Wessis vermindern.

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