Das Warenhaus ist ein zentrales Symbol der Modernisierungsprozesse des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es revolutioniert nicht nur den Einzelhandel, sondern es ist ein Ort, an dem die Moderne in ihrer ganzen Heterogenität, Komplexität und Ambivalenz erfahren werden konnte. Das Buch widmet sich aus transnationaler Perspektive den Debatten, die zeitgenössisch über das Warenhaus geführt wurden. Wenn über das Warenhaus gesprochen wurde, ging es immer ums Ganze: die ganze Wirtschaft, das ganze Volk, den ganzen Staat. Das Buch zeigt, dass das Warenhaus mehr ist als nur ein Symbol. Es muss vielmehr als integraler Schauplatz der Moderne verstanden werden, an dem die Möglichkeiten und Bedingungen der modernen Kultur sowohl praktisch als auch theoretisch verhandelt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2015
Michael Mönninger muss Zola, Hessel und Kracauer immer mitlesen, wenn er in Uwe Lindemanns Versuch blättert, dem Phänomen Warenhaus mit Hilfe von allerhand Quellen aus den Jahren 1880 bis 1940 beizukommen. Viel mehr als kulturwissenschaftlicher Konstruktivismus kommt dabei laut Rezensent nicht heraus. Auch wenn er bei Lindemann etwa erfährt, was Reaktionären am Shoppingtempel schon immer als sittenwidrig galt, fehlt ihm im Buch die Liebe zum Gegenstand, wie er sie in den großen Warenhaus-Romanen findet.
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