Werner Kraft

Zwischen Jerusalem und Hannover

Die Briefe an Curd Ochwadt
Cover: Zwischen Jerusalem und Hannover
Wallstein Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783892447450
Gebunden, 304 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Der Auftakt zum Briefwechsel zwischen dem Jerusalemer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Werner Kraft und dem Philosophen und Übersetzer Curd Ochwadt in Hannover waren die Zusendung der Rimbaud-Übersetzung Ochwadts an Kraft und dessen Dank dafür. Die ein knappes Vierteljahrhundert (1962-1986) dauernde Korrespondenz spielt sich stets unter dem Zeichen angeregten freundschaftlichen geistigen Austauschs ab, den auch dort ein unverändertes Einvernehmen kennzeichnet, wo die Verschiedenheit des Denkens der Partner ihren Anspruch meldet. Gegenstand der Briefe sind u.a. die Literatur- und Zeitgeschichte der 60er bis 80er Jahre, Krafts Stellungnahmen zum Geschehen in Israel und die Projekte der beiden zu Arthur Rimbaud, Martin Heidegger und dessen Philosophie und politischer Haltung nach 1933 sowie zu dem Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2005

Werner Kraft war der "Statthalter Goethes in Jerusalem", charakterisiert Jörg Drews den einstigen Hannoveraner Bibliothekar, der in der NS-Zeit nach Israel emigrierte und sich im Jerusalemer Stadtteil Rehavia niederließ, wo viele deutsche Juden lebten. Kraft verfasste Bücher über Heinrich Heine, Rudolf Borchardt, Franz Kafka und Hugo von Hoffmannsthal, die seinen Ruf auch in die junge Bundesrepublik trugen und ihm einen regen Briefwechsel bescherten. Einer seiner Briefpartner war der deutsche Autor Curd Ochwadt; dieser hat nun gemeinsam mit Ulrich Breden seine aus den Jahren 1962 bis 1986 stammende Korrespondenz mit Kraft herausgegeben und kommentiert. Kraft war ein Mann der alten Schule, hochgebildet, ein passionierter Briefschreiber von Hand, so Drews, der jahrelang mit Ochwadt über die Frage kommuniziert hätte, wie man den berühmten Rimbaud-Satz "Je est un autre" zu übersetzen habe. Im Hintergrund schwelte allerdings auch eine Auseinandersetzung über Martin Heidegger, die der Leser laut Drews nur erahnen kann. Kraft habe Heidegger seine Rektoratsrede von 1933 nie verziehen, erläutert er; dass Ochwadt nun im Anhang der Briefausgabe Krafts Verdikt über Heideggers Rede zurechtzurücken versucht, empfindet der Rezensent als anmaßend.

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