In seiner Geschichte der Ethnologie erzählt Werner Petermann mit profunder Kenntnis von den Wegen einer Wissenschaft von ihren Anfängen bis heute, von ihren ideengeschichtlichen Positionen und ihren realpolitischen Verstrickungen. Dabei sieht er die Bedeutung der Ethnologie in der kritischen Mittlerrolle zwischen den Kulturen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2004
Recht angetan zeigt sich Rezensent Karl-Heinz Kohl von Werner Petermanns "breit angelegtem Werk" über die "Geschichte der Ethnologie", das die Entwicklung des ethnologischen Denkens von der Antike bis in die jüngste Gegenwart hinein verfolgt. Vor allem im ersten, der Vorgeschichte der wissenschaftlichen Ethnologie gewidmeten Teil des Buches breite Petermann ein "stupendes Wissen" aus. Von Marco Polo und John Mandeville bis zu den philosophischen Denker des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts wie Montesquieu, Voltaire, Rousseau, Diderot, Herder, Kant, Comte, Marx, Nietzsche und Dilthey - kein Autor, der sich mit fremden Kulturen beschäftigt habe, fehle. Im zweiten Teil des Buches befasse sich Petermann mit der Geschichte der Ethnologie als etablierter Universitätswissenschaft. Ausführlich stelle er die einzelnen Schulrichtungen dar, vom im späten neunzehnten Jahrhundert dominierenden Evolutionismus über Levi-Strauss' Strukturalismus bis zu Clifford Geertz' symbolischer Anthropologie. Kohl bescheinigt dem Autor ein "bemerkenswertes Talent", die "jeweiligen theoretischen Grundpositionen knapp und klar darzulegen." Allerdings gehe bisweilen der rote Faden verloren, bedauert der Rezensent, der zudem moniert, dass die Behandlung der deutschsprachigen Ethnologie mit dem Werk Wilhelm Emil Mühlmanns endet, einem der einflussreichsten Ethnologen der Nachkriegszeit, der nach der Aufdeckung seiner nationalsozialistischen Vergangenheit in Misskredit geriet.
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