Das Wesen des Bunker Ulmenwall kann durch die Auflistung der Berühmtheiten, die auf seiner Bühne standen, nicht erfasst werden. "These walls are soaked with music!", sagte der amerikanische Alt-Saxophonist Arthur Blythe, als er versuchte, das auch Jazzstars wie ihn immer wieder bewegende Flair eines Bunkerkonzertes zu beschreiben. Die Atmosphäre der Kellerräume, der intime Rahmen, in dem sich Publikum und Künstler hier begegnen, war und ist prägend für die kulturelle Sozialisation vieler Menschen in dieser Stadt. Und so wollten und wollen alle, die im Bunker tätig waren oder sind, ihn verstanden wissen: als Forum des kulturellen Austausches, als Laboratorium für Neues, als eine Bühne für das, was im Betrieb der kommerziellen Geschäftigkeiten gern übergangen wird und als ein Zuhause für junge Künstler aus Bielefeld, die sich und ihre Arbeit hier oft erstmals einem kritischen Publikum präsentieren.
Eigentlich, weiß Rezensent Ulrich Stock, hätte die von Wilfried Klei herausgegebene Chronik des Bielefelder Jazzkellers "Ulmenwall" bereits 2006 zum 50jährigen Bestehen der Einrichtung erscheinen sollen. Dass das nicht klappte, erklärt sich Stock mit der überreichen Geschichte des ehemaligen Weltkriegsbunkers - es fallen Namen von Musikern wie Chick Corea, Archie Stepp, Ginger Baker, Chet Baker, Hannes Wader, aber auch von Literaten wie Harry Rowohlt, Elias Canetti, Thomas Bernhard und Walter Jens - und der entsprechenden Materialfülle. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte dennoch kaum besser sein, findet der Rezensent, schließlich steht momentan im Raum, die städtischen Zuschüsse für den "Ulmenwall" zu streichen, was Stock angesichts der in diesem Band ausgebreiteten Geschichte einfach nur "absurd" findet.
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