Der erste Band behandelt die Grundlegung der christlichen Kabbala vom Spätmittelalter bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Die Vorgeschichte dieser Lehre zwischen Maimonides und Nikolaus von Kues leitet den Band ein. Die eigentliche Fassung der Haupttopoi geschieht bei Pico della Mirandola und vor allem bei Reuchlin. Im 16. Jahrhundert wird christliche Kabbala geradezu Modewissenschaft: Aegidius von Viterbo, Giorgio Veneto (Zorzi), Agrippa von Nettesheim, Arcangelo da Borgonovo entwickelten die kabbalistischen Positionen und Begriffe weiter. Die intellektuell dominierende Figur in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der französische Philologe und Prophet Guillaume Postel. Die Schlusskapitel sind Luis de León und Johannes Pistorius, dem Herausgeber der einflussreichen Sammlung "Ars Cabalistica" (1587), gewidmet. Dieser Band vereinigt mithin alle irgendwie wichtigen Autoren der christlichen Kabbala in der Renaissance.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2013
Helmut Zander ist dankbar für das von Wilhelm Schmidt-Biggemann avisierte vierbändige Projekt und die Auslieferung des ersten Bandes, in dem der Philosoph Verschränkungen zwischen Judentum und Christentum anhand früher Protagonisten der christlichen Kabbala aufzeigen kann. Pico della Mirandola, Johannes Reuchlin, Agrippa von Nettesheim rettet der Autor laut Rezensent vor dem Vergessen und zeigt sie uns in einer klassischen Ideengeschichte samt Angaben zu den jeweiligen sozialen Kontexten. Zander zufolge könnte sich daraus nicht weniger als eine brandneue Perspektive auf die Religionsgeschichte Europas ergeben.
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