Dokumentation der Tagung der Universität Kassel vom 8.-9. Oktober 2010. Gibt es ein gemeinsames europäisches Kulturerbe? Welche Vorstellungen liegen der europäischen Identität zugrunde, wie wird eine Gemeinschaft von verschiedenen Nationalitäten konstruiert, vergegenwärtigt und in Bildern fixiert? Wie gelingt der Prozess der Verständigung und Aushandlung darüber, was als gemeinsames Erbe gelten soll, und was nicht? Kollidiert die Idee eines europäischen Erbes mit regionalen und nationalen Traditionen, und in welchem Bezug steht sie zum Konzept eines Weltkulturerbes? Im vorliegenden Band spüren Fachleute verschiedener Disziplinen diesen Fragen nach und erörtern aktuelle Debatten ebenso wie historische Konzeptionen von Kulturerbe und Denkmalpflege. Divergierende Ansätze werden nachvollziehbar diskutiert, die Prozesse der Verständigung und der Tradierung europäischen Kulturerbes erörtert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.04.2013
In dem von Winfried Speitkamp herausgegebenen Sammelband "Europäisches Kulturerbe" gehen die Autoren der Frage nach, inwiefern Europa überhaupt so etwas wie ein gemeinsames kulturelles Erbe hat, wie es sich materiell und immateriell verbreiten und erhalten könnte und wie sich nationale Kulturgüter in das Spannungsverhältnis von Abgrenzung und Zusammenhalt einfügen, berichtet Robert Kaltenbrunner. Eine besondere Rolle nimmt für den Rezensenten die Architektur ein, als eine der "stabilsten Kulturtechniken", die die "sozialen Choreographien" bis zu einem gewissen Grad festlegt. Kaltenbrunner vermeint in der gestiegenen Zahl architektonischer Großprojekte den Versuch zu erkennen, in Zeiten flüssiger werdender Identitäten das Verlangen nach dem "Realen und Bleibenden" zu befriedigen. Hin und wieder mag das gelingen, erklärt der Rezensent, oft genug geraten solche Bauprojekte aber lediglich zu marketingstarken Wahrzeichen, die "weder Heimat noch Vertrautheit" vermitteln.
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