Herausgegeben von Wolfgang Hasberg und Hermann-Josef Scheidgen. Canossa, 25.-28. Januar 1077. Nach jahrelanger Auseinandersetzung erfolgt in diesen Tagen der öffentliche Bußgang König Heinrichs IV., der Kniefall der weltlichen Macht um "Gnade und Vergebung" des Papstes. Der Konflikt bewegte schon die Zeitgenossen. Canossa steht für eine Erschütterung der damaligen Welt, des Gefüges von Kirche und Welt, Papst und Herrscher, Geistlichkeit und Laien. Das Kräftemessen beider Institutionen hielt das ganze Mittelalter hindurch an, am Ende hatten sich Kirche und Herrschaft auseinander bewegt. Der "Gang nach Canossa" hat ein vielstimmiges Echo gefunden, ist auch nach mehr als 900 Jahren noch präsent und entfacht immer wieder Diskussionen. Namhafte Historiker referieren Aspekte der heutigen Forschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2012
Mit "Canossa" wurde eine Kölner Ringvorlesung veröffentlicht, die auf Johannes Frieds These antwortete, dass 1076/77 Heinrich IV. und Papst Gregor VII. einen Pakt geschlossen haben sollen, erklärt der Mittelater-Historiker Klaus Herbers in seiner Rezension. In dem Buch seien mehrere Beiträge versammelt, die die Ereignisse um Canossa aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen, sie mal als Wendepunkt in der Kommunikationsgeschichte bezeichnen, mal als Chiffre für den gesamten Kontext der damaligen Zeit. Neben inhaltlichen Fragen gehe es aber auch um Grundlegenderes, schreibt Herbers, beispielsweise: Wie verhalten sich Ereignisse und ihr Kontext zueinander? Der Rezensent bedauert, dass die Vortragenden nicht mehr auf Frieds Streitschrift reagieren konnten. Auch zweifelt Klaus Herbers daran, dass sich das Bild von Canossa als Inbegriff der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche so schnell wird beseitigen lassen.
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