Rund fünfhundert Phobien zählen zum Repertoire moderner Gesellschaften. Darunter befinden sich so allgemein vertraute Ängste wie Höhenangst oder Angst vor Dunkelheit genauso wie auf den ersten Blick absurd anmutende Ängste wie die Angst vor einem bestimmten Gemüse oder die Angst, Luft zu verschlucken. Der Psychologe Wolfgang Schmidbauer unternimmt im Buch der Ängste einen ebenso informativen wie unterhaltsamen lexikalischen Streifzug durch die Welt der Phobien: von A wie Ablutophobia (Angst, gewaschen zu werden) bis Z wie Zoophobie (Angst vor Tieren). Damit liefert Schmidbauer nicht nur ein aktuelles Zeitporträt, sondern führt zugleich auf spielerische Weise vor Augen, dass jede Phobie einen Sinn hat - und dem Listenreichtum jenes Grundgefühls namens Angst zu verdanken ist, das genauso zum Leben gehört wie Mut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
Man kann Angst haben vor: Blumen (Anthrophobie), dem Knie (Genuphobie), davor, Brücken zu überqueren (Gephyrophobie) und natürlich vor dem Üblichen wie Schlangen und Spinnen, weiten und engen Räumen sowie überhaupt Menschen (Sozialphobien). Man kann die Phobien, die es so gibt, zählen, dann sind es mehr als 500. Man kann sie von A bis Z auflisten, dann hat man das Buch des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer vor sich. Darin geht es um Erscheinungsformen des Phobischen, aber auch um Angstbeseitigungsstrategien. Grundsätzlich gilt, so referiert die Rezensentin Melanie Mühl Schmidbauers Erkenntnis: "Stell dich deiner Phobie, damit du sie beherrschen lernst." Kein Vergnügen, aber unvermeidlich. Und wenn etwas an diesem Buch beruhigend ist, dann das: Die Angst ist weit verbreitet, sie ist mit einem Wort: normal. Darum wird wohl ein jeder Leser, mutmaßt Mühl, sich an der einen oder anderen Stelle des Buches wiedererkennen und im Wiedererkennen seine Angst besser kennenlernen, und zwar als etwas bei allem Schrecken nicht Ungewöhnliches.
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