Angst ist der Ausdruck für einen Gesellschaftszustand mit schwankendem Boden. Die Mehrheitsklasse, die nach wie vor zur Wahl geht, die Biokost bevorzugt und deren Kinder das Gymnasium besuchen, fühlt sich in ihrem sozialen Status bedroht und im Blick auf ihre Zukunft gefährdet. Man ist von dem Empfinden beherrscht, in eine Welt geworfen zu sein, die einem nicht mehr gehört. Am Leitfaden des Erfahrungsbegriffs der Angst erfasst Heinz Bude eine Gesellschaft der verstörenden Ungewissheit, der runtergeschluckten Wut und der stillen Verbitterung. Das betrifft die Intimbeziehungen genauso wie die Arbeitswelt, das Verhältnis zu den politischen Angeboten ebenso wie die Haltung zur Finanzdienstleistung. Es ist die Angst vor den eigenen, schier unendlich wirkenden Möglichkeiten, zu denen wir uns verleiten lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2014
So ganz scheint Uwe Justus Wenzel dem fröhlich durch die unterschiedlichsten Angstszenarien unserer Zeit schweifenden Heinz Bude nicht immer folgen zu können: Angst vor dem Internet, vor der Minderheit, der Mehrheit, vor dem Ausschluss, Angst vor dem Nichts. Auch wenn der Autor dem Rezensenten "bildkräftig" und mit soziologischer Fantasie und Empathie Angstwelten erschließt, bleibt der Text für Wenzels Dafürhalten recht essayistisch. Dass der deutsche Wohlfahrtsstaat sein Integrationsversprechen nicht hält und so Ängste schürt, wie Bude erläutert, leuchtet Wenzel ein. Nur wer und warum genau ist hier verantwortlich?
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