Yascha Mounk

Im Zeitalter der Identität

Der Aufstieg einer gefährlichen Idee
Cover: Im Zeitalter der Identität
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783608986990
Gebunden, 512 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm und Sabine Reinhardus. Der Politikwissenschaftler und Zeit-Herausgeber Yascha Mounk geht dem Ursprung der neuen Ideen über Identität und soziale Gerechtigkeit nach - und erklärt, warum sie ihre hehren Ziele nicht erreichen werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2024

Yascha Mounks Buch über Wokeness und Identitätspolitik bringt die Sache auf den Punkt, findet Rezensent Robert Misik. Denn weder schreibt der Autor kulturkonservativ gegen den Zeitgeist an, noch ist das radikallinke Empörungsprosa, versichert der Kritiker. Stattdessen zeige Mounk auf, wie aus vielen für sich selbst oft durchaus bedenkenswerten Ansätzen eine "Identitätssynthese" (Mounk) entstehe, die den Diskurs vergifte. Und zwar weil sie in essentialistischen Argumentationsformen münden, die keinen Widerspruch mehr ermöglichen, da jeder Widerspruch - etwa hinsichtlich der Allgegenwart des weißen Rassismus - bloß als Beleg für das eigene Argument verstanden wird, fasst der Kritiker zusammen. Auch das Problem der Moralisierung von Kritik und den daraus folgenden Radikalisierungtendenzen stellt Mounk laut Misik schlüssig dar. Insgesamt das definitive Buch zum Thema, so das Fazit des restlos überzeugten Kritikers.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2024

Als Einführung in das Denken einer Bewegung, die für gewöhnlich mit Begriffen wie Woke, hier jedoch als "Identitätssynthese" (Zitat Mounk) bezeichnet wird, kann Rezensent Gerald Wagner Yascha Mounks Buch goutieren, abseits davon hat er allerdings Einwände. Es funktioniert für den Rezensenten vor allem als eine ideengeschichtliche Herleitung aktueller Diskurse, zum Beispiel hinsichtlich der Wahrheitsskepsis, für die Darstellung der beschriebenen Ideologie in der Gegenwart und insbesondere Perspektiven ihrer möglichen Bekämpfung bleibt hingegen wenig Platz. Die Fokussierung auf Identität führt laut Mounk, Wagner zufolge, dazu, dass Allianzen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen schwerer möglich werden. Wagner vermisst hier empirische Belege und außerdem eine konkrete Auseinandersetzung mit politischen Institutionen sowie mit dem von Mounk prinzipiell affirmierten Liberalismus. Auch Floskeln findet der insgesamt nicht allzu überzeugte Rezensent ein paar zu viele in dem Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.02.2024

Ein wichtiges Anliegen hat dieses Buch, aber der Autor wird ihm nicht voll gerecht: So urteilt Rezensent Mark Siemons über Yasha Mounks Auseinandersetzung mit der grassierenden Identitätspolitik. Es geht Mounk, lernen wir, um die Verteidigung des Universalismus liberaler Prägung, wobei der Autor durchaus einräumt, dass eine bloße Insistenz auf "Farbenblindheit" nicht ausreichend ist, um bestehende Ungleichheit zu beheben. Im weiteren rekonstruiert er, lernen wir, die Ideologie der Identitätspolitik, die er aus verschiedenen theoretischen Versatzstücken von Foucault bis Edward Said zusammensetzt. Hier stößt das Buch aber an seine Grenzen, meint Siemons, weil die Kritisierten sich in derartigen systematischen Beschreibungen nicht wiedererkennen lassen. Eben diese Abwehrversuche müsste man Siemons zufolge analysieren, da sie auf das ungeklärte Verhältnis der Identitätspolitik zur Macht, beziehungsweise auf die Selbstermächtigung Einzelner, die für Gruppen zu sprechen behaupten, verweisen. Insgesamt bleibt Mounks Buch, heißt es am Ende, bei der bloßen Aufzählung einzelner Argumente stecken und stößt deshalb nicht zu einer neuen Theorie des Universalismus vor.

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