Unvermutet stark sind die zarten Geschöpfe dieser Geschichten. Sie halten aus, wenn der Boden unter ihnen schwankt, schlagen um sich im Moment der Gefahr und brechen aus ihrem Käfig aus, sobald sie Wind unter ihren Flügeln fühlen. So wie Ginza, die in der pulsierenden, übermächtigen Metropole Shanghai ihre Unabhängigkeit verteidigt, indem sie mit Freundinnen in einer winzigen Wohnung lebt und Touristen durch die Stadt führt. Oder Sophie, deren eigensinnige Tochter Clarice ihren Fotografenfreund mit ins Sommerhaus der Familie nimmt und damit das familiäre Gleichgewicht empfindlich ins Wanken bringt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.01.2014
Weitgehend dunkel und grundiert vom Tod scheinen Judith von Sternburg die kurzen Texte in diesem Erzählungsband von Zoë Jenny. Dass es der Autorin gelingt, die Abweichung, ob räumlich oder sprachlich, das scheinbar unwichtige, überflüssige Detail am Ende doch immer wieder als erzählstrategisch sinnvoll und bedeutsam erscheinen zu lassen, findet Sternburg bemerkenswert. Die Darstellung von Abhängigkeiten und Machtgefällen innerhalb von Familienbeziehungen kann Jenny so für die Rezensentin beispielsweise oft besonders gut und scharf herausarbeiten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013
Zoe Jennys neuem Erzählband "Spätestens morgen" wird wohl weder das überschwängliche Lob ihres Debütromans noch die vernichtende Kritik des zweiten Romans zuteil werden, glaubt Rezensent Christoph Bartmann. Dabei wäre ihr ersteres zu wünschen, denn die zwölf nun erschienenen Kurzgeschichten sind einfach gut, versichert der Kritiker. In der Tradition amerikanischer Shortstorys, etwa von Carver oder Clever, erzähle Jenny knapp und "berührend" von zerbrochenen und zerrütteten Familien oder Beziehungsschmerz in New York, Schanghai oder Basel. Dieser leisen, "melancholischen und weltklugen" Erzählstimme muss man einfach zuhören, betont Bartmann.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 02.10.2013
Zoë Jenny hat nach ihrem vielgelobten Romandebüt "Das Blütenstaubzimmer" nur noch Verrisse geerntet. Umso bewundernswerter findet Rezensent Ronald Düker den Mut der Autorin, sich mit ihrem neuen Buch "Spätestens morgen" ausgerechnet an ein so schwieriges Format wie die Short Novels amerikanischer Tradition zu wagen. Leider wird dieser Mut nicht belohnt, bedauert der Rezensent. Jenny erzählt Geschichten von der brüchigen Oberfläche des Glücks, unter der immer der Abgrund droht, doch sie überfrachtet sie mit Metaphern, die oft genug auch noch schiefe Bilder erzeugen, klagt der Rezensent, der auch nicht recht versteht, warum Jenny die Schauplätze über die ganze Welt verteilt, ohne den jeweiligen Hintergrund dann in irgendeiner Weise erkennbar zu machen.
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