Bücherbrief live

Muttersprache der Literatur

Der Podcast des Perlentaucher. Von Benita Berthmann, Lukas Pazzini
10.12.2025. In der achten Folge unseres Podcasts stellen die Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini wieder Bücher vor, die sie besonders interessant fanden: Mit Irina Scherbakowa erleben wir das kurze Tauwetter in Russland nach dem Ende der Sowjetunion, das auch die Arbeit ihrer Menschenrechtsorganisation "Memorial" erst möglich gemacht hat. Mit Tezer Özlü blicken wir auf eine Kindheit in der Türkei, Psychatrieaufenthalte und viele Reisen zurück. Übersetzer Deniz Utlu spricht über die Einflüsse und die Bedeutung von Mehrsprachigkeit auf Özlüs Werk.
Tag für Tag sichtet der Perlentaucher die Buchkritiken der wichtigen Medien und fasst sie in seiner täglichen Presseschau zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 100.000 Kritiken zu mehr als 66.000 Büchern gelesen. Einmal im Monat verschicken wir einen Bücherbrief - hier präsentieren wir die Bücher, die in der Presse besonders gut besprochen wurden und die wir selbst am liebsten mochten. 32.000 AbonnentInnen nutzen den Bücherbrief Monat für Monat für ihre literarische Orientierung. Der Bücherbrief bildet die Basis für unseren Podcast. Benita Berthmann und Lukas Pazzini wählen daraus zwei Titel: Diesmal besprechen sie Irina Scherbakowas "Der Schlüssel würde noch passen" und treffen sich mit Deniz Utlu, dem Übersetzer von Tezer Özlüs "Die kalten Nächte der Kindheit".

Alle erwähnten Bücher, weiter unten aufgelistet, können Sie in unserem Online-Buchhandel eichendorff21.de kaufen.

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Ab 01:14 min starten wir mit Irina Scherbakowa: In kurzen Kapiteln erfahren wir, wie die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Menschenrechtsorganisation Memorial gegründet wurde, wie das Leben der Autorin in der sowjetischen, aber auch postsowjetischen Zeit ausgesehen hat, aber auch, wie Putins zunehmend diktatorische Regierung sie ins Exil getrieben hat. Ein Buch, dem zwar ein gründlicheres Lektorat gutgetan hätte, das aber sowohl für Menschen mit als auch ohne persönlichen Bezug zur Geschichte Russlands und der Sowjetunion lesenswert ist.

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Weiter geht es ab 11:09 min mit Tezer Özlü: In den vielen Zeit- und Raumebenen, auf die sie uns mitnimmt, kann man leicht die Orientierung verlieren, aber gerade das ist für uns auch besonders reizvoll. Die Handlung zwischen Kindheit in der Türkei, Psychiatrieaufenthalten, Elektroschocktherapie und Auslandsreisen verflicht die Autorin mit der Suche nach einer eigenen Sprache. Ein Buch, das trotz seiner Kürze lange nachhallt.

Über dieses für die türkische Literatur so wichtige Buch sprechen wir ab 23:15 mit Übersetzer Deniz Utlu über die Einflüsse, die Özlü aus den verschiedensten Sprachen und Literaturen sammelt, über die Bedeutung ihrer Mehrsprachigkeit für ihr Werk und die Suche nach der "Muttersprache der Literatur".

Alle erwähnten Bücher:

Irina Scherbakowa: Der Schlüssel müsste noch passen

Tezer Özlü: Die kalten Nächte der Kindheit

Tezer Özlü: Auf den Spuren eines Selbstmords

Sevgi Soysal: Vor dem Morgengrauen

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