Perlentaucher-Autor

Peter Truschner

Peter Truschner, geboren 1967 in Klagenfurt, lebt seit 1999 in Berlin. Sein zweiter Roman "Die Träumer" wurde 2007 für den "Deutschen Buchpreis" nominiert. Seine Stücke und Libretti werden seit 2009 an deutschen Stadttheatern aufgeführt. Seit 2011 ist er freier Dozent, unter anderem an der Universität der Künste Berlin. 2015 Einzelausstellung seiner Fotos im Museum Moderner Kunst Klagenfurt. 2016 Foto-/Textbuch "Bangkok Struggle".
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So gut wie unmögliche Privatheit

Fotolot 10.12.2025 Der Fotograf und Foto-Archäologe Arthur Bondar hat eine großartige Fotografin wiederentdeckt: Olga Ignatovich. Sie fotografierte im Zweiten Weltkrieg, auch bei der Befreiung von Auschwitz. Aber ihre Fotos sind anders als die bekannten Zeugnisse. Noch hat das Archiv keinen festen Platz gefunden, muss Bondar es in Koffern und Schachteln von einem Ort zum anderen transportieren - glücklich die Stiftung oder Institution, die die Gelegenheit einmal beim Schopf packt, und sie ihrem Bestand einverleibt. Vorerst bleibt ein großartiges Buch. Von Peter Truschner

Merveilleux! Beautiful! Wunderschön!

Fotolot 25.11.2025 Bei der Paris Photo regierte das Klischee: Jener Themenkreis, den man unter "Natur" subsumieren könnte (Klimawandel, Nachhaltigkeit, Biodiversität) hat, den Zeichen der Zeit entsprechend, endgültig den Sprung in ein modernes Biedermeier vollzogen. Es dominiert Kunst für Zahnarztpraxen. Ähnlich bei sozialen Themen: PoC ist angesagt, aber keine Gewalt, keine Banlieues, keine Armut:  Stattdessen dominiert - so hart sich das auch anhören mag - eine Art schwarzer Edelkitsch. Von Peter Truschner

Schweigendes Heer mit gräsernen Sicheln

Fotolot 12.11.2025 Der Fotograf  Eric Pawlitzky ist Johann Gottfried Seumes berühmte Reise nach Syrakus nachgegangen. Wo er konnte, bewegte sich Seume auf wichtigen Handelsstraßen fort, die heute teilweise Autobahnen sind, auf denen der Fernverkehr tobt. Pawlitzky setze sich bewusst stundenlang diesem toxischen Cocktail aus Lärm und Abgasen aus, wählte aber auch Nebenwege. Eine Regel für das Projekt lautete, alle fünf Kilometer ein Foto zu machen, wo immer er sich gerade auch befand. Es entstand ein bemerkenswertes Fotobuch. Von Peter Truschner

Diverse Interventionen des Menschen

Fotolot 13.10.2025 Die Saison beginnt. Die Fotobücher schlagen ein - naja, mehr oder weniger. Es gibt viel Neues von vielen Bekannten. Aber auch einen neuen Band von Mari Katayama, die wir im Perlentaucher vor Jahren entdeckten. Christian Rothes Band "Buchenwald" wurde von der "Stiftung Buchkunst" zum schönsten deutschen Buch des Jahres 2025 gewählt und überzeugt so wenig wie Jürgen Tellers Annäherung an Auschwitz. Die Frage wäre zu stellen, was Fotografie dem, was wir über die  Konzentrationslager wissen, wirklich hinzufügen kann. Von Peter Truschner

Durchzug im Sensibilisierungsraum

Fotolot 23.09.2025 Das Team für die documenta 16 ist benannt, und alle freuen sich. Unter der Leitung der klugen und sympathischen Naomi Beckwith sollen alle Themen bespielt werden, die den aktuellen Kunstbetrieb so umtreiben, von Diaspora- und Postkolonialdiskursen über Black Studies, bis zu alternativen Pädagogiken, ohne dass es zu Antisemitismus kommt. Sehr viel Diversity also und sehr viel Uniformität, denn das gesamte Team ist von dominierenden Institutionen im angloamerikanischen Raum geprägt. Von Peter Truschner

Ungemein reizvolle Hybride

Fotolot 19.08.2025 Katrin Jaquet projiziert in ihrer Serie "(m)other" Farbdias aus ihrer Kindheit in ihre Mundhöhle: Geradezu unheimliche Beschwörungen, die in ihrer Intensität keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Diese und weitere Serien sind in ihrem neuem Fotobuch "fam" enthalten. In Sabine Schründers neuem Buch "All Preconceptions Collapse" gibt es bewusst keine Hinweise zum  Verständnis ihrer Bilder. Ihre Motive von Gesteinsbrocken, Händen oder Blättern laden dazu ein, sich auf das Ungewisse, Mehrdeutige einzulassen. Von Peter Truschner

Fragmente des eigenen Gesichts

Fotolot 08.08.2025 Im Städel werden gerade die umwerfenden Collagen, Selbstinszenierungen und Fotoarbeiten von Annegret Soltau gezeigt, eine wahrlich verdiente große Würdigung. Und ein Werk, das zeigt, unter welcher Spannung heute der Feminismus steht. Im Katalog findet sich etwa der Satz: "Aus der Perspektive der Queer-Studies kann die Fokussierung auf biologische statt soziale Mutterschaft schnell als 'konservative' Position missverstanden werden". Von Peter Truschner
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