Jana Hensel

Es war einmal ein Land

Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet
Cover: Es war einmal ein Land
Aufbau Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783351042882
Gebunden, 263 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun von immer mehr Ostdeutschen mächtig in Zweifel gezogen und droht damit, zu Ende zu gehen - die Demokratie in Ostdeutschland. Scharfsinnig beschreibt Hensel den langen Weg nach rechts, der für viele Ostdeutsche einmal links begann und durch eine wiedervereinte Bundesrepublik führt, die gerade selbst in der tiefsten Krise ihrer Geschichte steckt. Hensel scheut dabei nicht vor harten Wahrheiten zurück, reiht sich nicht in gängige Narrative über den Osten ein und zeigt einmal mehr, dass sie sich seit ihrem Spiegel-Bestseller "Zonenkinder" eine ganz eigene Perspektive und einen unverwechselbaren erzählerischen Ton bewahrt hat. Geschockt von der eigenen Erkenntnis nimmt sie uns mit auf eine Reise, an deren Ende sie eine Erklärung dafür zu finden hofft, wie es dazu kommen konnte, dass Demokratie für viele Ostdeutsche keine Option mehr ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2026

Kein gutes Haar lässt Rezensentin Christine Brinck an Jana Hensels Buch über die Unzufriedenheit der Ostdeutschen. Hensel, selbst Ostdeutsche, käut hier lediglich die alte Mär von den schlecht behandelten ehemaligen DDR-Bürgern wieder, wobei sie alles Unheil auf die Zeit nach 1990 datiert, so die Kritikerin. Die Prägung durch die Diktatur kommt im Buch nicht vor, stattdessen wird die DDR in puncto Gesellschaftspolitik verklärt, etwa was die vermeintliche Geschlechtergerechtigkeit betrifft. Komplett ausgeblendet werde außerdem die Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Hensel, die sich für das Buch mit Bekannten und Freunden, aber auch mit Politikern unter anderem von der AfD und der SPD unterhalten hat, kann nicht erklären, warum sich Abgehängte im Westen nicht in ähnlichem Ausmaß von der Demokratie abwenden wie Abgehängte im Osten, kritisiert die Rezensentin. Viel Gefühl und keine Analyse: So lautet das vernichtende Fazit dieser Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2026

Rezensent Stefan Locke findet in Jana Hensels Buch über das Abdriften Ostdeutschlands von der Demokratie eindrückliche Passagen, aber auch zu viel Nachsicht. Die Autorin zeichne die Transformationsjahre nach der Wende korrekt nach: vier Millionen abgewanderte junge Menschen, Arbeitslosenquoten von über zwanzig Prozent. Hensel beschreibe den ostdeutschen Protest als Reaktion auf Bevormundung und Nichtanerkennung, erfahren wir. Besonders "eindrücklich" seien die Gespräche mit AfD-Politikern, der BSW-Ministerin Katja Wolf und "Protestwählern", deren Aussagen oft ein Gefühl großer Fremdheit und Misstrauen dem Westen gegenüber enthüllen. Doch bisweilen sei Hensel einfach zu verständnisvoll und entlasse die Menschen zu leicht aus der Verantwortung, kritisiert der Rezensent, der selbst aus dem Osten stammt. Statt sich ständig "kümmernd über Ostdeutsche zu beugen", so der Kritiker, solle man sie endlich wie erwachsene Bundesbürger behandeln und auch mal gezielt widersprechen, was in diesem Band ausbleibe. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2026

Der hier rezensierende Publizist Norbert Pötzl macht Jana Hensel schwere Vorwürfe. Die Autorin bediene mit manipulierten Statistiken über die Treuhand Ostalgiker-Feindbilder und verschaffe der AfD Auftrieb, indem sie die Verantwortung für deren Aufstieg in der Geschichte Ostdeutschlands nach 1989/90 suche. Die durchaus schon in der DDR existierende Fremdenfeindlichkeit spiele für sie keine Rolle. Der Hauptgrund für die Wahl der AfD im Osten sieht Hensel in der Unzufriedenheit der Bürger mit politischen Entscheidungen nach der Wende, ob Schröder oder Merkel, alle hätten es versäumt, den Osten mitzunehmen. Mit der Enttäuschung "der" Ostdeutschen zu argumentieren, greift laut Kritiker allerdings zu kurz, zumal Hensel alle Ostdeutschen in einen Topf wirft. Kommt die Vorgeschichte der DDR im Buch doch einmal vor, dann nur mit ihren (vermeintlichen) Vorzügen, stellt er einigermaßen empört fest. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2026

Rezensent Michael Pilz liest Jana Hensels neues Buch mit Interesse. Hensel beschäftigt sich mit der Frage, wie es dazu kommen konnte, dass Ostdeutsche sich antidemokratischem Gedankengut sowie der AfD zuwenden. Sie rekonstruiert die Enttäuschung einer Generation von Ostdeutschen, denen blühende Landschaften versprochen, die aber weiterhin als Bürger zweiter Klasse behandelt wurden. Um zu verstehen, wohin sich der Osten bewegt, trifft sich Hensel mit einigen AfD-Politikern, wobei auffällig ist, das einige von ihnen aus dem Westen stammen und nun bewundernd auf die aufstrebende rechtsnationale Ostidentität blicken. Letztlich geht es in den Analysen Hensels, glaubt Pilz, weniger um Politik als um Pop - der rechte Osten ist derzeit schlichtweg der Ort der Avantgarde. Pilz hält sich mit einer abschließenden Wertung bezüglich Hensels aus einer identitätspolitischen Perspektive verfassten Buches zurück, er entnimmt ihm jedoch viele wertvolle Anregungen.

Buch in der Debatte

9punkt 14.02.2026
Hartz IV sei schuld, dass die Ostdeutschen nach rechts gerückt sind, versichert die auf die ostdeutsche Seelenlage spezialisierte Autorin Jana Hensel im Gespräch mit Anne Fromm und Jens Uthoff von der taz - zu diesem Thema hat sie auch gerade ein Buch veröffentlicht. Sein Putinismus hat Schröder also nicht viel genutzt, die Ostdeutschen werden ihm nicht verzeihen. Denn "die Reform hatte vor allem im Osten gravierende Auswirkungen. Oberflächlich sah sie nach einem Erfolg aus, die Arbeitslosenzahlen sind gesunken. In Wahrheit aber ist der Niedriglohnsektor von einem seit den 1990er Jahren hohen Niveau noch einmal gewachsen. Er lag 2008 bei 37 Prozent - 17 Prozentpunkte höher als im Westen, europaweit ist das einer der höchsten Werte. Die Ostdeutschen sind im Jahr 2004 gegen Hartz IV auf die Straße gegangen. Von links! Ihre Proteste wurden aber nicht ernst genommen. Der Spiegel schrieb, die Ostdeutschen hätten sich "an die Bequemlichkeit gewöhnt", und meinte damit, die Bürger der neuen Bundesländer seien mit Eigeninitiative und Selbstverantwortung überfordert. Das war der Duktus." Unser Resümee

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