Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2022 - Design

Wer erfand die Zukunft in der Mode, nur um sie dann nach Kräften finanziell melken zu können? Pierre Cardin, der vor hundert Jahren geboren wurde, erinnert Arno Widmann in der FR. "So sehr wir dazu neigen mögen, Cardins Entwürfe als typisch für seine Zeit zu lesen, so erinnern gerade sie uns daran, dass eine Epoche nicht von einer einzigen Richtung definiert wird, sondern eher von den sie charakterisierenden Widersprüchen, von den Konflikten, die sie austrägt. Die Blumenkinder, die Hippies waren das Gegenmodell zu Cardins Techno-Chic der sechziger Jahre. Gegen die große Verweigerung der Protestgeneration stellte Cardin den ungezügelten Konsumismus."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2022 - Design

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"Pinkstinks" hieß vor ein paar Jahren eine feministische Kampagne, die sich gegen Rosa als traditionelle Mädchenfarbe wandte - dabei hätte man ja allen Grund gehabt, für das Gegenteil einzutreten, schreibt Tilmann Prüfer in seiner Stilkolumne für das ZeitMagazin anlässlich einer Präsentation von Valentino, der gerade in Zusammenarbeit mit den Farbdesignern von Pantone eine Kollektion in Pink entworfen hat. "Es heißt heute 'Empowerment-Pink'. Statt Angepasstheit soll Pink nun Stärke symbolisieren. Das hat es ja immerhin schon einmal getan. Denn bevor Rosa als Mädchenfarbe eingeführt wurde, war es die Farbe, die mit Durchsetzungskraft und Stärke gleichgesetzt wurde. Elsa Schiaparelli etwa hatte keine zahmen Prinzessinnen im Sinn, als sie in den Dreißigerjahren ihre Kleider in Shocking Pink entwarf."
Stichwörter: Rosa, Modedesign, Valentino

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.06.2022 - Design

Tisch und Bank von Konstantin Grcic für Plank. Foto: Salone del Mobile


"Fashion is over", zu langweilig, hörte Max Scharnigg (SZ) auf der Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand flüstern, weshalb jetzt Modefirmen wie Dior oder Paul Smith sich dem Möbeldesign zuwendeten. Sogar "Design is over" hörte er. Naja, wer sucht der findet immer noch, auf der Möbelmesse zum Beispiel Konstantin Grcic: "Sein Projekt für den kleinen Südtiroler Hersteller Plank trifft die ernüchternde Weltlage sehr gut: ein simpler Tisch in seiner Urform, mit einheitlicher Platte und Seitenteilen aus fünf Zentimeter dicker Südtiroler Fichte. So mächtig und einfach standen Tisch und Bank in der Halle, dass es einen nicht gewundert hätte, wenn daneben 'Bitte Ruhe!'-Schilder aufgestellt gewesen wären - es war ein Mahnmal gegen das Halligalli ringsum. Natürlich, die Verbindung der Teile bildet ein gewitzter Mechanismus, an dem fast drei Jahre getüftelt wurde, aber mit seiner nahezu heilsamen Geradlinigkeit und dem banal-regionalen Fichtenholz ist dieser Tisch trotzdem die mobiliare Entsprechung zu Demut und Einkehr, die in den Lockdowns ja allgemein stattgefunden haben."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.06.2022 - Design

Alf Mayer erinnert sich im CulturMag an sehr persönliche Begegnungen mit dem Gestalter und Typografen Otl Aicher, der vor hundert Jahren geboren wurde (mehr dazu bereits hier). In den Siebzigern besuchte er Aicher zum Interview, er "empfing mich, würdig wie ein Abt, asketisch, musternde Augen, bot aber sogleich einen selbstgebrannten Obstler an. 'Den muasch probiera.' Wir sprachen den gleichen Dialekt, vielleicht war es das, was half oder Nähe brachte. ... Im Sommer 1945 notierte er: 'Ein neues Land betreten wir. Ein schöneres Land. Wohl ein zerbomtes, ein verheertes, ein leidendes Land, aber ein schönes. Um dieses Glück, Ruinen zu haben, wird uns einmal die Welt beneiden, denn unter den Ruinen ist das Alte begraben…' Zusammen mit seiner Frau gründete er 1946 die Volkshochschule Ulm, entwarf über die Jahre an die 700 Plakate, war ein entschiedener Wiederbewaffnungs- und Aufrüstungsgegner. 'Mein Denken ist Andenken gegen Hitler', sagte er. Wir redeten bei unserer ersten Begegnung über Nazis, die Bundeswehr, Vietnam, Franz Josef Strauß, die Hatz auf Baader-Meinhof. Irgendwann hatte er ein Lächeln im Gesicht. 'Das wird die Zeitung doch nie bringen…'"
Stichwörter: Aicher, Otl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.06.2022 - Design

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Schon Pläne fürs 9-Euro-Ticket? Thomas Hummitzsch vom Intellectures-Blog rät jedenfalls zur Fahrt nach Lübeck. Noch bis Anfang Juli ist dort in der Kunsthalle St. Annen die Ausstellung "Female View" über Modefotografinnen zu sehen, auf die wir hier schon hingewiesen hatten. "Es geht den Macher:innen der Schau darum, dezidiert weibliche Perspektiven zu versammeln, die in einem Modell mehr sehen als eine hübsche Kleiderstange. Die in der Schau versammelten Bilder sind auch Ausdruck einer Art empathischen Zuwendung der Fotografierenden zu den Fotografierten. Die Modefotografie von Frauen ist oft auch ein gesellschaftspolitisches Abbild der Zeit." Etwa "mit den Fotografien von Madame D'Ora, Lillian Bassman und Louise Dahl-Wolfe geht die Modefotografie auf die Straße. Ob königliche Gärten oder städtische Panoramen - die Modefotografie sucht die Wirklichkeit und lässt die artifizielle Umgebung der Studios hinter sich. Das wird auf den Bildern von Charlotte March und Alice Springs, aber auch im fotografischen Werk von OSTKREUZ-Pionierin Ute Mahler deutlich. Sie holen in den Siebzigern die Frau raus aus der Enge von Haushalt und Fürsorge und geben der selbstbewussten Frau die Bühne."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.05.2022 - Design

Das Diadem erfährt derzeit ein Comeback, beobachtet Olga Kronsteiner vom Standard, nachdem Anna Wintour bei der letzten Gala der Metropolitan Museum of Art in New York entsprechend geschmückt auftrat.

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Außerdem: In der Zeit feiert Tillmann Prüfer ein Comeback des Blazers: gern auch bauchfrei.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.05.2022 - Design

Tonarmwaage von Dieter Rams für Braun, 1962. Foto: w/d/h, unter CC-Lizenz


Dieter Rams wird 90 Jahre alt - das Feuilleton gratuliert dem Vordenker des modernen Designs. Mit seiner legendären Arbeit für Braun ist es ihm gelungen, "eine Brückenfunktion von der Klassischen Moderne zur Gegenwart zu bilden" und dabei "eine ebenso exakte wie auch poetische Formensprache" zu finden, schreibt der Designhistoriker Klaus Klemp in der FR. "Alle Geräte von Braun besaßen alsbald ein einheitliches Gestaltungs-Gen, das sich aus einfacher, selbsterklärender Bedienbarkeit, aus dem Verzicht von allem ornamentalem Schmuck, aus visueller Langlebigkeit und aus sparsamem Umgang mit Farben definierte."


Entworfen von Dieter Rams: Das Gehäuse des Braun Phonosuper SK 61 von 1962. Foto: Konrad Conrad, unter CC-Lizenz


Gerhard Matzig schwärmt in der SZ von der Radio-Plattenspieler Kombination SK 4 aus dem Hause Braun, das in den Fünfzigern die Nachkriegsmoderne in die deutschen Wohnzimmer bringt. "Leicht wie eine Feder, strahlend optimistisch wie ein frisch gebügelter Himmel. Das hat Folgen. Erstens sagt zu diesem Futurismus-Objekt der Begierde aus Plexiglas, weiß lackiertem Blechkorpus und Wangen aus hellem Holz kaum jemand SK 4. Das verblüffende Teil, HiFi-Möbel, Sehnsuchtsort und Design-Utopie in einem, wird zum 'Schneewittchensarg'. Der Schneewittchensarg, der nicht den Tod in einem Märchen, sondern das Versprechen auf ein märchenhaftes Leben zum Sound der Fünfzigerjahre birgt, wird zweitens zum Symbol eines Landes, das sich aus dem Kriegsschutt heraustanzt. ... Das Überleben wird vom Leben abgelöst."

Auch FAZ-Kritiker Niklas Maak befällt die "Sehnsucht nach Rams", wenn er dieses einzigartige Portfolio an Designklassikern vor dem geistigen Auge vorüber ziehen lässt. Diese "erzeugen eine formale Spannung, die die Sinne schärfte, statt öde und leer zu wirken. Rams' Geräte und Möbel ähnelten auch darin eher der abstrakten Kunst ihrer Zeit - und es war auch deswegen nur konsequent, dass sie 1964 auf der Documenta und heute in vielen Museen der Welt zu sehen sind."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2022 - Design

In aktuellen Kollektionen taucht vermehrt die zylinderförmige Tasche auf, ist Tillman Prüfer vom ZeitMagazin aufgefallen, den das Accessoire an eine Botanisiertrommel aus dem 19. Jahrhundert erinnert, die dem Einsammeln reizender Pflanzen diente. "Schön wäre es, wenn die Rückkehr der Botanisiertrommel die Rückkehr des Botanisierens einleiten würde. Freilich lässt sich die Zylinder-Tasche auch weniger poetisch interpretieren. Bei Acne Studios gibt es ein etwas größeres Modell. Es sieht so aus, als würde genau eine Yogamatte hineinpassen."
Stichwörter: Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.05.2022 - Design

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Eine Ausstellung im HfG-Archiv im Museum Ulm erinnert an Otl Aicher, den Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung und Plakatgestalter. Vor allem der letzte Aspekt steht im Mittelpunkt der Ausstellung, berichtet Hannes Hintermeier in der FAZ. Aicher gestaltete die neue Zeit nach dem Krieg mit: "Die Dinge des täglichen Lebens sollten einfach sein, dem Menschen dienen, reduzierte Formensprache besitzen, sich politischem Missbrauch verweigern." Legendär sind seine Plakate zur Olympia '72 in München: Aicher "reduziert den Farbkreis: Herrschaftsfarben wie Schwarz, Rot, Purpur und Gold werden gestrichen. Die heute wieder angesagten Farben Blau und Grün - laut Aicher die Farben des Allgäus und Oberbayerns aus der Vogelperspektive - dominieren." (Hier der Katalog zur Ausstellung)
Stichwörter: Plakatkunst, Aicher, Otl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2022 - Design




Sarah Pines porträtiert für die NZZ Eric Donatien, einen der letzten Pariser Plumassiers, also Federschmuck-Meister. Für sein Material werden keine Tiere eigenes getötet, versichert er. Und erzählt zu seinem Werdegang: "Mir waren Materialien, das Zusammenspiel von Material, Form und Farbe immer wichtiger als die Form allein', sagt er. 'Ich hatte nicht genug Talent für das Zeichnen, für die richtige Linie. Mein Ziel war, etwas zu erschaffen, das die klare Form durchbricht, aufweicht, sie umspielt.' Also Federn, die nicht mehr oder nicht mehr nur nach Federn aussehen? Ja, sagt Donatien: 'Die vollkommene Metamorphose.'"