Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.05.2026 - Design


"Wenn Mode die Verpflichtung hätte, praktisch zu sein, wäre sie sterbenslangweilig", schreibt Julia Werner in der SZ all jenen ins Gebetbuch, die sich zuletzt "wie immer peinlich" darüber amüsiert haben, dass der neue Schuhentwurf von Chanel-Designer Matthieu Blazy keine Sohle aufweist, sondern allein die Fersen bedeckt. "Natürlich ist die um die zarten Fesseln gebundene Fersendeko ein cleverer Reichweitengenerator, denn auf die digitale Empörung der Massen ist in Sachen Markenstärkung Verlass. Aber Slop, also Müll, ist er nicht. Denn er ist auch eine Ode ans Barfußlaufen. ... Denn das verbindet man heute nicht mehr mit straßendreckigen Schluffifüßen, sondern mit der Leichtigkeit des Seins, vorzugsweise im heiligen Urlaub. Schwere Stiefel, Stahlkappen, aufgeblasene Turnschuhe? Tragen eigentlich nur noch Schlachter, Maurer und Ärzte, also Leute mit echten Berufen. Alle anderen mit Bullshit-Jobs und Angst vor der sie auffressenden künstlichen Intelligenz nehmen teil an der großen Verflüchtigung des Alltäglichsten."
Stichwörter: Mode, Chanel, Blazy, Matthieu, Schuhe

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2026 - Design

Mit irgendwas um zehn Millionen Dollar kauft sich Jeff Bezos bei der von Vogue geschmissenen MET-Gala in New York ein - und das sorgt durchaus für Turbulenzen. Der Unternehmer will sich zuletzt zum "Jetset-Gecken, der mit seiner als Gesamtkunstwerk erscheinenden Gattin auf Fashion Weeks in Paris oder Mailand aufläuft", umwandeln, so Ursula Scheer in der FAZ. "Stil kann man nicht kaufen, heißt es immer, aber das ist natürlich gelogen, weil die Stillosigkeit der Reichen stilbildend ist. Eine neue Eskalationsstufe beim Kontrollverlust der von Social Media gebeutelten Türwächter des gehobenen Geschmacks wäre, wenn sich Bezos, wie gemunkelt wird, den Vogue-Verlag Condé Nast als Spielzeug für seine Frau unter den Nagel reißen will. Entsprechend rumort es in Manhattan: Eine Aktivistengruppe hat Anzeigen mit Boykottaufrufen in den Straßen platziert, auf denen die Unterstützung der US-Einwanderungsbehörde ICE durch Amazon-Cloud-Dienste angeprangert wird. Sie will auch am Galaabend stören."
Stichwörter: Mode, Vogue, Met-Gala, Bezos, Jeff

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.04.2026 - Design

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Lilly Schröder porträtiert in der taz den kurdisch-stämmigen Modedesigner Sezgin Kivrim, der die kurdische Flagge in einen Pulli gestrickt hat,, damit viral gegangen ist und sich dafür einen Shitstorm aus anti-kurdischen Kreisen eingefangen hat: "'Ich hätte nicht gedacht, dass Menschen sich von der Sichtbarkeit einer Kultur so getriggerd fühlen', sagt Kivrim, insbesondere, weil er sie an keiner Stelle mit Staaten wie Irak, Syrien, Iran oder Türkei in Verbindung gesetzt habe." Dies "sei eine bewusste Entscheidung gewesen. 'Die kurdische Geschichte wird immer nur über Unterdrückung und Leid erzählt', sagt er. 'Ich will aber über die schönen Dinge unserer Kultur sprechen: unsere Bräuche und Traditionen, Gemeinschaft und Zusammenhalt - über Sonnenblumenkerne essen und Tee trinken.' ... Die Mode von Sezgin verbindet Tradition und Moderne: Handarbeit und Blümchenstoffe der Oma treffen auf zeitgenössisches Modedesign. Damit möchte Kivrim dem Narrativ, dass Kurden 'zurückgebliebene Bauern in den Bergen' seien, etwas entgegensetzen."

Helmut Stalder erinnert in der NZZ an den Installateur Walter Franke, der einst zahlreiche Normen ins Industriedesign eingeführt hat, unter anderem "die Schweizer Küchen-Norm, das Schalensystem Gastro-Norm, das normierte Bierfass und die durchorganisierten Systemküchen in Schnellrestaurants. Der Metallbauer prägte damit die Kultur des Kochens rund um den Erdball."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.04.2026 - Design

Saft fürs Handy: Solarpaneele fürs digitale Stadleben (Nick Geipel / Charlotte von Ravenstein, Museum der Dinge)


Die Kunsthochschule Weißensee prägt das Gesicht Berlins, schreibt Gunda Bartels im Tagesspiegel: Von hier kommen zahlreiche Plakate von Kulturinstitutionen der Stadt, aber auch ganze BVG-Waggons werden dort gestaltet. Mit "Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Weißensee" ist dem nun auch eine Ausstellung im Museum der Dinge/Werkbundarchiv gewidmet. Hier treffen die Geschichte der Kunsthochschule und Entwürfe junger Jahrgänge aufeinander, die sich Gedanken um das zukünftige Leben in dieser Stadt machen: "Auf das Kapitel 'Die Stadt von morgen', die mit der orange leuchtenden Solarpaneele 'Powerplant' (Entwurf: Nick Geipel und Charlotte von Ravenstein) eine kostenlose Stromquelle für Passanten zeigt, die an Straßenlaternen montiert werden und spontanes Handyaufladen ermöglichen soll, folgt das Kapitel 'Wassergeschichten'. Da hängt die Fotografie eines realisierten historischen Entwurfs der Weißenseer Dozentin Gertraude Pohl für eine Brunnenanlage in Marzahn, in der 1987 Kinder planschen, neben dem Rendering des Leopoldplatzes von heute. In dieser Idee versprechen mit Pflanzen bestückte und von Wasser durchrieselte Ton-Elemente Abkühlung. Allerdings nur, wenn aus der studentischen Vision Realität wird."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.04.2026 - Design

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Als "The Antwerp Six" nahmen es Dries Van Noten, Walter Van Beirendonck, Dirk Van Saene, Dirk Bikkembergs, Ann Demeulemeester und Marina Yee in den Achtzigern von Belgien aus mit dem französischen Modedesign auf, erinnert Paul Buschnegg in der Zeit. Im Antwerpener Modemuseum MomU ist ihnen nun eine Ausstellung gewidmet, die noch einmal unterstreicht, wie Punk um 1980 die Hippie-Ästhetik der Siebziger ablöste. "Militärische Looks gehörten ebenso zu diesem neuen, postmodernen Spiel der Zeichen wie zerschlissene Nähte oder kantige Konturen." Zu erleben ist ein Werk, "das facettenreicher nicht sein könnte: auf der einen Seite Demeulemeesters alienhafte Puppen, auf der anderen die schillernde Sports Couture von Dirk Bikkembergs, deren knappe Unterhosen, fein geschwungenen Fußballschuhe und knalligen Jogginghosen muskelbepackte Männer auf überdimensionierten Hochkant-Screens vorführen. Bikkembergs hatte Ende der Neunzigerjahre im Fußballboom eine modische Marktlücke entdeckt, seine Models ließ er in Mailand nicht auf dem Laufsteg, sondern im Fußballstadium auflaufen. Sport und Luxusmode? Heute normal, damals Avantgarde."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.04.2026 - Design

Die runden Ecken der IPhones gehen auf den ersten Chef-Designer Apples zurück: den Schwarzwälder Hartmut Esslinger, den Marie-Astrid Langer anlässlich des 50-jährigen Apple-Jubiläums für die NZZ in San José besucht. Er erzählt unter anderem von seiner ersten Begegnung mit Apple-Visionär Steve Jobs auf einer Party im Silicon Valley. "Was seine langfristige Vision für Apple sei, fragte Esslinger Jobs an dem ersten Treffen. Er wolle eine Million Mac-Computer verkaufen, antwortete Jobs. 'Aber nicht mit dem Scheißdesign, das du hast', warf ihm Esslinger entgegen. Jobs stimmte ihm zu." Jobs schrieb einen Designwettbewerb aus, Esslinger legte mehrere Entwürfe vor. "Der Auftrag: eine einheitliche Designsprache zu entwickeln für sieben künftige Produktlinien von Apple. Esslinger erarbeitete mehr als vierzig Entwürfe als Konzept. Jobs war begeistert. 'That's it', soll er gerufen haben." Heute blickt Esslinger kritisch auf Apple: "Auf den Apple-Produkten stehe heute zwar noch 'Designed in California' - tatsächlich entscheide aber China, welches Design sich für eine Massenproduktion eigne."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.03.2026 - Design

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Vielleicht war Dieter Rams für das Design ja wirklich das, was Kraftwerk für die Musik war, denkt sich Peter Richter (SZ) nach dem Besuch der Rams-Ausstellung in Rafael Horzons privat geführtem Deutschen Design Museum in Berlin. Zu erleben ist in den nachkriegsmodernen Möbeln und Gebrauchsgegenständen die Idee "eines betont sachlichen Highlifes, eine ethische und politische Haltung, die auch beim Wohnen und Musikhören alle dröhnenden Gemütlichkeiten der Nazizeit hinter sich lassen wollte. ... Die Rams'schen Bücherregalsysteme, die in den westdeutschen Bildungsbürger-Bungalows ganz buchstäblich die Suhrkamp-Kultur zu tragen hatten, ziehen sich hier wie Zeitstrahlen der eigenen Variantengeschichte über die Wände und schauen herab auf Stühle, Gartenhocker und Esstische von teilweise geradezu störrischem Minimalismus. Es hilft aber zu wissen, dass die heute so berühmten Radios und Plattenspieler der Firma Braun lange ein defizitäres Geschäft waren, das mit den nicht weniger berühmten Küchengeräten und Rasierern querfinanziert werden musste und das von allem Gelsenkirchener Barock bereinigte Wohnzimmer der BRD-Moderne als ästhetische Propagandagrundlage brauchte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.02.2026 - Design

In der Welt empfiehlt Gesine Borcherdt die Dieter-Rams-Ausstellung im Deutschen Design Museum in Berlin. Birgit Schardt erzählt in der FAZ von ihrem Besuch in der Marie-Antoinette-Ausstellung im Victoria & Albert in London.
Stichwörter: Rams, Dieter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2026 - Design

Die Aufregung über das Outfit der deutschen Sportler bei den Olympischen Winterspielen, die sich beim Auflaufen der Teams in Poncho und Anglerhut der Marke Adidas zeigten, hält Laura Ewert im Freitag für viel zu übertrieben. Gewiss, "verglichen mit den Outfits für Haiti von Stella Jean, die in Farbe und Form Spaß und Stolz gleichzeitig verstrahlten, wirken die deutschen Kostüme ein bisschen bedrückend funktional. Aber selbst die Modenation Italien, ausgestattet von EA7, der Sportlinie von Emporio Armani, lief in langweiligen weißen Anzügen auf. Schweden in Uniqlo? Zum Einschlafen. Österreich? So lustvoll wie die 'Designs' von Victory für Deichmann. ... Die Outfits der deutschen Athleten wollen zumindest modisch etwas. Wie gut das gelungen ist, steht auf einem anderen Stück Stoff. Ärgerlich eindimensional gedacht ist hier eher die Farbgestaltung, die sich an Schwarz-Rot-Gold orientiert, und die Musterung, die ernsthaft Fragmente des Bundesadlers aufnimmt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2026 - Design

Sichtlich fasziniert läuft Jörg Häntzschel (SZ) durch die Ausstellung "White Out", die in Mailand zu Beginn der Olympischen Winterspiele zu sehen ist (mehr dazu bereits hier) und zeigt, wie Mode und Textildesign den Sport beeinflussen und Höchstleistungen erst ermöglichen. Denn erst die "Rückenprotektoren", eine "schnittfeste Unterwäsche" und "Oberkörper-Airbags" machen Skisportler waghalsig genug, um Rekorde zu brechen. "Dass es Jan Farrell gelungen ist, 2023 mit 255,5 Stundenkilometern den Geschwindigkeitsrekord auf Skiern zu erreichen, war außer seinem Können auch seinem aerodynamischen Helm und dem Anzug geschuldet, der den Luftwiderstand minimiert, etwa durch spitz zulaufende Polster an der Rückseite der Unterschenkel. Doch Design erlaubt dem Menschen nicht nur Rekorde. ... Es lässt ihn auch beeindruckend aussehen. Farrell selbst führt das vor: Schießt er in seinem knallroten, glänzenden Anzug den Berg herunter, wirkt er wie ein Held aus einem Science-Fiction-Comic. Zieht er, unten angekommen, den Helm aus, kommt ein Typ zum Vorschein, der aussieht wie tausend andere."