Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.03.2020 - Design

"Ein Baum ist eben ein Archiv an Informationen", staunt Susanna Koeberle in der NZZ nach dem lediglich virtuellen Besuch einer Ausstellung der beiden Designforscher Andrea Trimarchi und Simone Farresin in der Londoner Serpentine Gallery über den Werkstoff Holz und dessen globale, wirtschaftliche und ökologischen Aspekte. Auch online lädt diese Ausstellung zum Stöbern und Lernen ein: Der Titel verweist auf den Kambiumring - "diese Schicht befindet sich zwischen dem inneren Teil (Xylem) und dem äusseren Teil (Phloem) eines Baumstammes und ermöglicht sein Wachstum in die Breite. Das Kambium dient als Membran zwischen Holz und Bast. Dieses Merkmal entwickelten Bäume evolutionsgeschichtlich, um sich vor klimatischen Veränderungen zu schützen, wobei dieser Prozess interessanterweise auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Die Designer machen mit der Bezugnahme auf diese Besonderheit auch auf die unglaubliche Intelligenz von Pflanzen aufmerksam."

Und sogar den Philosophen Emanuele Coccia hat man dafür gewinnen können, den Monolog eines Baumes zu lesen, erfahren wir. Was uns ins der physischen Ausstellung verloren geht, sehen wir schmerzlich in diesem Video:



Im Pop hat derzeit niemand "mehr Mode-Macht als Billie Eilish", schreibt Jan Kedves in der SZ: Die Modedesigner liegen dem Teenie-Popstar geradezu zu Füßen und bewerfen sie geradezu mit Entwürfen. Allerdings sind sie in diesem Fall überaus offen dafür, "erstaunlich weit von ihrer bekannten Ästhetik abzurücken und, was die Schnitte und Silhouetten angeht, ganz zu vergessen, was für Frauen sonst bei solchen Anlässen gilt: Stoff sparen. ... Von Calvin Klein dafür bezahlt zu werden, dass sie sich - im Gegensatz zu Werbestars wie Justin Bieber, den Kardashian- und Jenner-Schwestern, dem Rapper A$AP Rocky und vielen anderen - gerade nicht auszieht: Das schafft nur Billie Eilish." Auf Instagram ist Eilish in einem Entwurf von Chanel zu sehen:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2020 - Design

Foto: London College of Fashion
Das Gehen muss etwas schwierig sein in diesen Hosen. Andererseits bringen erst Widerstände echte Anmut zur Geltung. Jennifer Hahn von Dezeen bewundert jedenfalls die aufblasbaren Latexhosen des Designers Harikrishnan, die er bei seiner Abschlussschau am London College of Fashion zeigte. "'Die Idee kam mir, als ich mit meinem Hund spielte und ich darüber nachzudenken begann, wie überdimensionierte Objekte aus einem so niedrigen Winkel aussehen müssen', erklärt mir der Designer. 'Der Gedanke, dass er mich als riesige Figur sehen musste oder meinen Kopf nicht sehen konnte, war faszinierend, und so beschloss ich, die Menschen um mich herum durch ein Spiel der Verzerrung neu zu imaginieren - losgelöst von den stereotypen, vorgegebenen Vorstellungen der menschlichen Perspektive."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.03.2020 - Design

In der NZZ berichtet Susanna Koeberle von der Collectible-Messe in Brüssel, wo es ausschließlich zeitgenössisches Design zu sehen gibt. Attua Aparicio Torinos vom Londoner Designerduo Silo Studio stellt dort ihre bei einem Aufenthalt in China entworfenen, mit Emojis verzierten Teller aus, die auf beschädigten, mit chinesischen Sprichwörtern basierten Tellern basieren: Diese "werden dort in Massen produziert, die Designerin verlieh ihnen durch das Anbringen einer zusätzlichen Schicht eine neue Identität - ein Verfahren übrigens, das der chinesischen Kultur gar nicht so fremd und durchaus als Reverenz an diese Tradition zu verstehen ist. Mit den chinesischen Handwerkern kommunizierte Aparicio Torinos meist über Emojis, so dass die Wahl dieses Motivs in doppelter Hinsicht etwas über unsere Zeit aussagt. Wir leben in einer globalisierten Welt, doch wir reden unterschiedliche Sprachen. Wenn wir miteinander sprechen, schauen wir einander ins Gesicht, daran hat sich bis heute nichts geändert."
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Stichwörter: Silo Studio, Teller, Emoji

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2020 - Design

Wolfgang Müller von der "Tödlichen Doris" verabschiedet sich im Tip von Tabea Blumenschein (mehr dazu bereits gestern), einem Urgestein der Westberliner Szene um 1980 und Vorreiterin queer-feministischer Punkästhetik: "Tabea meinte: 'Ich mache mich doch nicht hässlich, um Männern zu missfallen, sondern schön, um Frauen zu gefallen.' Ihre Modezeichnungen für die deutsche Ausgabe von Warhols Interview ignorierten die Konventionen ihrer Zeit. Tabeas Models hatten Beinprothesen, sie waren zu dick, zu dünn oder *Trans. Jedenfalls lagen sie jenseits klassischer Schönheitsnormen." Einen weiteren Nachruf schreibt Harry Nutt in der Berliner Zeitung.
Stichwörter: Blumenschein, Tabea, 80er

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.03.2020 - Design

Für die Mode als Betrieb und Zeitgeistphänomen hat Katrin Kruse wenig übrig, schreibt sie in der taz. Stattdessen will sie den Begriff der "Postfashion" starkmachen, in der es keine Vorgaben mehr gibt, gängige Codes erodieren und vor allem ein spielerischer Charakter vorherrscht. Daraus ergeben sich drei Folgen, meint sie. "Erstens: Je mehr man sich für die Sprache der Mode interessiert, desto weniger geht es um Shopping. Zweitens: Je mehr man sich auf das konzentriert, was Kleider am Körper machen, auf das Umfasstwerden durch Stoff, auf Schwere und Leichtigkeit, darauf, welchen Effekt das Outfit auf die Haltung und die Bewegung und das Spürbewusstsein hat, desto mehr ist man verkörpert in diesem Outfit. Auch das nämlich gehört nicht notwendig zur Mode: das Objektverhältnis zum eigenen Körper. ... Die dritte Folge des Spiels ist, dass das Scannen nach Bedeutung verschwindet." (Nun, damit waren ihr einige Modedesigner um etwa 50 Jahre voraus.)
Stichwörter: Mode, Postfashion, Modedesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.03.2020 - Design

In der NZZ feiert Daniele Muscionico den eher übel beleumundeten Stiletto als "ein feministisches Instrument mit Ermächtigungspotenzial. Ihn zu tragen, zu leiden und gleichzeitig zu genießen, ist ein Akt der Selbstbestimmung. ... Es gibt Gesundheitsschuhe, angenehm und weich wie ein Handschuh für den Fuß, doch oft hässlich wie die Nacht. Und es gibt den High Heel, ein Folterinstrument zwar wie die Eiserne Jungfrau, doch verflixt attraktiv und aussichtsreich. Sich die Welt einmal von oben besehen, auch auf Männerglatzen blicken, auf schlechte Toupets, ist das nicht vielversprechend? High Heels sind nicht die Rache an unserem Geschlecht. Sie sind lediglich die Rache an jenen, die sie für uns erfunden haben."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.02.2020 - Design

Bild: "Sisters" Meeting of all Regions for the National Heroes Conference by Li Mubai & Jin Xuechen, 1964 

Die Geschichte chinesischer Wirtschaftspolitik lernt Nadia Sayej (Guardian) in der Ausstellung "The Sleeping Giant: Posters & The Chinese Economy" im Londoner Poster House kennen. Gezeigt werden chinesische Propaganda-Plakate der 1920er bis 2000er Jahre: "In den späten 1930er Jahren wird es dunkel, mit einer Sammlung gewalttätiger Militärplakate vor dem zweiten chinesisch-japanischen Krieg, auf denen steht: Military First - Victory First. Noch seltsamer wird es 1949, als Mao Zedong an die Macht kam und chinesische Plakate mit offenen Obertönen des sowjetischen sozialistischen Realismus hergestellt wurden . Ein Plakat aus dem Jahr 1977 zeigt einen Landarbeiter mit dem Satz: Harte Arbeit und Innovation wurzeln auf dem Land."
Stichwörter: China, Propaganda

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.02.2020 - Design

Outfit aus der Vincent-Kollektion, die das Label Daily Paper in Kooperation mit dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam entwarf. Foto: Nick van Tiem
So bringt man van Gogh unter die Leute: In Monopol stellt Fenja Graf kurz die neue Streetwear-Kollektion des Labels "Daily Paper" vor, die mit van-Gogh-Motiven geschmückt ist. "Die Mission des Van Gogh Museums war in erster Linie, das Vermächtnis des Niederländers auch für ein jüngeres Publikum interessant und zugänglich zu machen - so kam es zu der Kollaboration mit 'Daily Paper'. Das 2012 gegründete Label wiederum sieht in der Authentizität des Künstlers und dem unbeirrten Beschreiten seines eigenen Weges Parallelen zur eigenen kreativen Arbeit - die Köpfe hinter dem Label, Abderrahmane, Hussein und Jefferson, wollen mit ihrer Mode auf die fehlende Präsenz von afrikanischen Jugendkulturen und der Diaspora im westlichen Diskurs aufmerksam machen, ungeachtet der Hindernisse, die ihnen dabei begegnen. Im Falle der Capsule Collection soll allerdings auch ihre niederländische Identität aufgegriffen werden, bewusst verwenden sie dazu vor allem weniger bekannte Arbeiten des Künstlers, darunter viele bunte Blumen-Stillleben und Landschaften."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.02.2020 - Design

FAZ-Kritiker Ulf Meyer durchwandert in der Ausstellung "Home Stories" im Vitra Design Museum hundert Jahre Wohnkultur und stellt fest, dass Ausstattung und Individualität einer Wohnung zweitrangig geworden sind, es zählt die Lage: "Nichtmöblierte Interieurs sind heute en vogue. Das Bestreben, aus einem Interieur ein Gesamtkunstwerk zu machen, wurde eingestellt. Dafür ist die Kunstform der Innenraumgestaltung wohl auch zu ephemer. Unter den Millennials herrscht Unlust, aus dem eigenen Heim ein Lebensprojekt zu machen. Der homo movens bevorzugt den Dauertourismus und braucht kein 'Zuhause als Selbstdarstellung'. Möbel sind in dem Zusammenhang oft nur kurzlebige Konsumgüter. Der 'Flur-Grundriss', wie er Millionen von Wohnungen in Deutschland prägt, scheint deshalb ebenso obsolet wie Nobelküche und Wohnzimmer. Das Zuhause soll aussehen und funktionieren wie ein Boutique-Hotelzimmer."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.02.2020 - Design

Energie animale. Bild: Museum für Gestaltung, Zürich

Der Mensch trägt nicht nur gerne Kleidung tierischen Ursprungs, er verziert seinen Alltag auch gerne mit Darstellungen von Tieren, schreibt Claudia Mäder in der NZZ nach Besuch der Ausstellung "Energie animale" im Museum für Gestaltung Zürich. "Die Funktionalität der tierischen Materialien ist immer nur eine Seite der Sache. Denn etliche Formen und Farben, die draußen in der Natur auftreten, bestechen auch durch ihre schiere Schönheit, und also versucht der Mensch, der Mächtige, die Pracht auf sich zu übertragen. Leicht kann es komisch wirken, wenn er sich so mit fremden Federn schmückt, Hütchen aus halben Vögeln auf dem Kopf trägt oder mit Mokassins im Schlangenstil durch die Stadt pirscht. Nicht selten aber gelingt der Transfer; diverse Mäntel und Kostüme zeugen in der Schau davon. Dass diese Aneignungsprozesse zuweilen blutig verlaufen und ethische Fragen aufwerfen, verschweigt das Museum nicht."
Stichwörter: Tierdarstellungen