Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2020 - Design

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Das Frankfurter MAK zeigt Kleider und Entwürfe der japanischen Designerin Rei Kawakubo, die "ihre Modephilosophie zunächst in Opposition zur konservativen japanischen Mode" schuf, erklärt Michael Suckow im Freitag: "Die Kritik war anfangs schockiert, schimpfte 'Quasimodo-Style' und 'Hiroshima-Chic' und goutierte erst mit der Zeit, dann aber vollkommen, den Einbruch von (ästhetischer) Armut, von No-Future-Angst und gerade die Ignoranz gegenüber westlichen Konventionen von Schönheit in der Welt der Haute Couture." Der Grund für die Aufregung: Kawakubo verstieß aufs Heftigste "gegen die konventionellen Proportionen der weiblichen Körperkontur".

Von einer Kuriosität wie aus einem Roman von Thomas Pynchon berichtet Jens Wiesner in Monopol: Jahrzehntelang hat die DDR Orientteppiche aus dem VEB Halbmond exportiert - und zwar in die Länder des Orients. Richtig gut ging etwa der Teppich "Täbris Super", der "Exportschlager unter den DDR-Orientteppichen", der dann im arabischen Teil Jerusalems an Touristen aus aller Herren Länder vertickt wurde: "'Diese Touristen kaufen gern eine Täbris-Brücke, nehmen sie mit nach Hause und berichten ihren Angehörigen, dass diese Brücke eben aus dem heiligen Jerusalem stammt', so Dietzel. Dass die verhältnismäßig günstige Brücke überhaupt nicht im Orient produziert wurde, nehmen viele in Kauf - oder sie haben das Etikett mit dem Halbmond und dem Vermerk 'Täbris Super' schlicht übersehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2020 - Design

Wer zuhause sitzt, sortiert irgendwann aus - etwa alte Wäsche, die dann in großen Mengen in den Altkleidercontainer wandert, wie Second-Hand-Vertreter seit März beobachten können, schreibt Brigitte Werneburg in der taz. Die Folge: Textilrecycling vor dem Kollaps, Preise im freien Fall. Nicht zuletzt zeigt sich in dieser Menge auch, "wie wenig nachhaltig der derzeitige Handel mit Secondhandkleidung und das Textilrecyling tatsächlich sind. ...  Der Anteil der Altkleider, die nur noch verbrannt werden können, hat sich nach Brancheninformationen zuletzt denn auch um fast ein Achtel erhöht. Würde statt aufs Label auf die Materialangaben geachtet, würde nach Naturstoffen geschaut und der ganze Polyesterkram verschmäht, wäre schon viel gewonnen."

Patrick Wagner stellt in der taz das Berliner Modelabel Manheimer vor, das zumindest dem Namen nach an die große mit dem Namen verbundene Modetradition Berlins Mitte des 19. Jahrhunderts anzuschließen versucht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2020 - Design

Wo sind nur all die schönen Männer hin, die ihre Reize noch mit einer handverlesenen Krawatte veredeln, klagt Marion Löhndorf in der NZZ. Um das kleidsame Stück Stoff am Männerhals ist es in den letzten Jahren jedenfalls ziemlich still geworden. Die Zuversicht will sich Löhndorf jedoch nicht nehmen lassen: "Wie es so geht in den ewigen Zyklen der Modewelt, sie ruhen nur. Eines Tages, so viel ist sicher, werden wieder Knoten geschlungen. ... Krawatten werden auferstehen wie Hipsterbärte und Plattenspieler, ausrasierte Nacken und Abba. Es ist nur eine Frage der Zeit. Dann wird die Welt das ins Schleudern gekommene Image dieses Kleidungsstücks vergessen haben, es wieder lieben lernen und das eigentlich Schöne daran neu entdecken: seine gänzliche Nutzlosigkeit."
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Stichwörter: Krawatte

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2020 - Design

Scène nationale (Nationale Bühne), 2006. © Anette Lenz & Vincent Perrottet
In der FR ist Sandra Danicke hin und weg von einer Ausstellung der Grafikdesignerin Anette Lenz im Frankfurter Museum Angewandte Kunst: "Eine Werkschau habe sie nicht machen wollen, erzählt die Grafikdesignerin. Stattdessen hat sie komplette Räume gestaltet, in denen diverse Elemente wie Typografien oder Farben plastisch im Zentrum stehen, in denen Lichtwolken pulsieren und wabern und sich Schriften um Säulen oder Wände schlängeln. Als Besucherin hat man so das Gefühl, durch die Plakatwelten hindurch zu spazieren und die Elemente, die zum Handwerk von Lenz gehören, nach und nach zu verstehen: Rhythmus, Wiederholung, Struktur. Mikrokosmos, Makrokosmos und wieder zurück."
Stichwörter: Lenz, Anette, Grafikdesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2020 - Design

Männer in Röcken: Mode von Jean Paul Gaultier im Film "Freak & Chic" (Studiocanal GmbH / TS3 BOBY)

Ungeheuer sympathisch findet ZeitOnline-Rezensentin Carmen Böker den Modeschöpfer Jean Paul Gaultier, wie er in Yann L'Hénorets Kino-Dokumentarfilm "Freak & Chic" porträtiert wird: Im Grunde ist Gaultier ein Vordenker heutiger Sensibilitäten. "Männer in Röcken? Hatte er schon vor Jahrzehnten. Diversität bei den Castings? Gab es auch immer schon bei ihm. ... Seine Warmherzigkeit und Liebenswürdigkeit behält Gaultier sogar bei, als er im New Yorker Metropolitan Museum of Art Anna Wintour über den Weg läuft, der von Natur aus frostigen Chefredakteurin der US-Vogue."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2020 - Design

Der Grafikdesigner Milton Glaser, der einst das "I ♥ NY"-Logo gestaltet hatte, ist gestorben. Dieser Entwurf "avancierte in seiner grafischen Schlichtheit zu dem unerreicht erfolgreichen Vorbild für das visuelle Stadtmarketing", schreibt Christian Schlüter in der Berliner Zeitung. Glaser, schreibt Gerhard Matzig in der SZ, verstand seine Kunst als Handwerk, war aber gerade darin ein großer Künstler: Sein berühmtestes Logo stelle daher "in Wahrheit nichts Einfaches und Simples, sondern etwas Komplexes und Weites dar. Das ist ja das Geniale daran. Das Logo ist quintessenzieller Natur: Man kann nichts, gar nichts hinzufügen und nichts, gar nichts weglassen - ohne es zu übertreiben oder zu banalisieren. Es ist eine Chiffre in Vollendung. Plakativ vereinfacht, auf den Punkt gebracht, und doch in ein ganzes Universum an Mehrdeutigkeit, Nebenwegen und Ahnungen ausgreifend." Das Glaser weit mehr als dieses Logo zu bieten hat, kann man im übrigen seinem reich gefüllten Instagram-Account entnehmen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.06.2020 - Design

Den Weltraum erobert man nicht nur mit sehr viel Geld, sondern auch mit tollen Bildern und Formbewusstsein, schreibt Oliver Herwig in der NZZ mit genauem Blick darauf, wie sich Elon Musks SpaceX in der Öffentlichkeit präsentiert: Die Astronauten etwa "mit ihren schlanken Helmen und reinweißen Anzügen samt anthrazitfarbenen Abnähern und Schulterpolstern. ... 'Bella figura' ist eben alles, selbst in den unendlichen Weiten des Alls" und schließlich "ist Styling die Kunst, Dynamik im Stillstand zu erzeugen. Lässt sich das aber auf Dinge anwenden, die ohnehin schnell unterwegs sind, auf Raketen etwa? Da diese erst die Erdanziehungskraft und gehörig Reibung der Atmosphäre überwinden müssen, ist die Kraft der Konzeptkünstler hier beschränkt. Austoben können sie sich dafür bei futuristischen Interieurs, Raumanzügen und sogar bei erdgebundener Architektur."

Außerdem: Arno Widmann erinnert in der FR an den Kampf, Hosen als legitime Frauenkleidung durchzusetzen: Dieser lange, immer wieder von Rückschlägen bedrohte "Kampf um die Hose ist immer auch ein Kampf um die Freiheit. Bei dem Beharren auf dem kleinen Unterschied geht es einzig darum, das große Machtgefälle nicht zum Einsturz bringen zu lassen." In den aktuellen Kollektionen zeigt sich eine neue Tendenz zum Apokalyptischen, stellt Tillmann Prüfer in seiner Modekolumne für das ZeitMagazin fest: "Die Mode hat aber nicht einfach Lust am Untergang, die Mode ist auch ein Seismograf der Gesellschaft."
Stichwörter: Musk, Elon, Spacex

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.06.2020 - Design

Vielleicht wird Corona ja doch ein gutes gehabt haben, überlegt Benedikt Herber auf ZeitOnline: die Schönheit, die in der Mode zuletzt einen eher schlechten Stand hatte (sie folgte dem "Imperativ ironischer Hässlichkeit"), könnte nunmehr wiederkehren. Denn für ironische Mode-Statements gab es lange Zeit keine Bühne, stattdessen viel Unbill und grauer Alltag. Womöglich könnte sich nun eine "angestaute Lust am Schönen entladen. ... Es wäre ein Grund zur Freude, denn: Ein dritter Weg ist möglich zwischen absoluter Ironie und der im Akkord produzierten Pseudoschönheit einer photoshop- und autotune-gebohnerten, weitestgehend heteronormativen Pop-Plastikwelt. Die Mode könnte wieder als ästhetischer Testparcours begriffen werden, um Eleganz jenseits von Geschlechterstereotypen und starren Schönheitsidealen zu entwickeln. So wie es beispielsweise Yves Saint Laurent gelang, als er 1960 den Damensmoking entwarf."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.06.2020 - Design

Die Fashion Week wird ab Sommer 2021 nicht mehr in Berlin, sondern in Frankfurt stattfinden, wurde gestern gemeldet. Irgendwie schon kein Wunder, kommentiert Carmen Böker im ZeitMagazin: Denn Berlin wollte Modestadt, ein neues Zentrum für "Eleganz und Extravaganz" werden, doch "das Werden war irgendwann das Problem. Denn es wurde kein Sein daraus und zuletzt nur ein Vergehen."

In der taz glaubt Brigitte Werneburg zwar, dass der Weggang der Fashion Week mehr mit dem Schwächeln des Messewesens und der Textilindustrie als mit Berlin zu tun hat, aber um die innovative Plattform Neonyt tut es ihr schon leid: "Das kulturelle Kapital der Hauptstadt schmilzt ab. Denn gleichgültig wie gut die Fashion Week lief, sie war ein Wirtschaftsfaktor. Ihre modebewussten und -interessierten Besucher ließen an zwei Terminen im Januar und im Juli 240 Millionen Euro in der Stadt. Sie werden den neuen und jungen Designern fehlen, die bislang vor allem in Berlin arbeiten und leben. Nicht nur finanziell, sondern auch - und wahrscheinlich sogar ganz besonders - intellektuell. "

Besprochen wird ein Band über den Bauhaus-Designer Hin Bredendieck (taz) und Karl Schlögels Buch "Der Duft der Imperien. Chanel No. 5 und Rotes Moskau" (NZZ).
Stichwörter: Fashion Week Berlin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.06.2020 - Design

Frank Eugene, Brigitta Wenz, um 1908, Heliogravüre, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Frank Eugene Smith


Ein Band und eine Ausstellung im Allgäu widmet sich Adolphe de Meyer, dem ersten professionellen Modefotografen der Geschichte, berichtet Brigitte Werneburg in der taz: "Mit seinem Piktoralismus-geschulten Blick setzte er seine Models, damals meist Damen der Gesellschaft, ins rechte, also in ein exquisites, aufwändig inszeniertes Licht - gerne vor einem halbdunklen bis dunklen Hintergrund. Der Auftritt davor fiel um so glanzvoller und auratischer aus. Denn darum ging es, um ein neues Frauenbild, durchexerziert im Prominentenporträt."