In eigener Sache

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Von Thierry Chervel
18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen. 
Ja klar, es weihnachtet sehr. Aber nicht wenigen Leserinnen und Lesern des Perlentaucher wird es beim Rückblick auf das Jahr 2025 ähnlich gehen wie mir: Politisch war es noch schlimmer als die Jahre zuvor. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, auf einer Rutschbahn bergab zu sausen, die einer TÜV-Überprüfung nicht mehr standhielte. Trump baut die Welt für die Oligarchen um, Putin ermordet Tag für Tag ukrainische Zivilisten, Europa tut händeringend sein bestes, also zu wenig, Deutschland wird belagert von Putins Stiefelleckern. Und Israel, Opfer eines genozidalen Terroranschlags, bekommt statt Solidarität weltweiten Hass. 

Für den Perlentaucher war es ein gemischtes Jahr: Im Jahr 2025 haben wir unseren 25. Geburtstag gefeiert - im Deutschen Literaturarchiv Marbach, das den Perlentaucher künftig archivieren wird, ein digitales Kunststück, keineswegs so einfach, wie man denken mag. Aber es gab auch traurige Meldungen. Im Dezember 2024 war Rüdiger Dingemann gestorben, der jahrelang mit den "Medientickern" zum Perlentaucher beigetragen hatte, viel zu früh, er war gestürzt. Dingemann war dem Perlentaucher immer treu gewesen, auch in jenen schwierigen Jahren des Prozesses, den FAZ und SZ gegen uns führten. Und im Oktober 2025 kam die Meldung vom Tod unseres Kolumnisten Richard Herzinger, im Alter von 69 Jahren. 

Herzinger war ein europäischer Autor, seine Kolumne veröffentlichte er in der ukrainischen Zeitschrift Tyzhden und im Perlentaucher, und musste also so schreiben, dass er stets für das Publikum in beiden Ländern interessant und relevant war: Er hatte unermüdlich gegen alles das angeschrieben, was sich 2025 - siehe oben - düsterer auftürmte als je: die alten und die neuen Totalitarismen, den Hass auf die Juden und Israel, das "Böse", gegen das Demokratie ein Bollwerk bilden müsste. Ja, er hatte, wie sein Freund André Glucksmann, einen sozusagen säkularisierten Begriff des "Bösen", auch jenes Bösen, das von sich selbst glaubt, das Gute zu sein. Er war eine Kassandra. Beim Lesen seiner alten Texte stieß ich im Merkur auf einen kleinen Essay aus dem Jahr 2000, wo er zum ersten Mal vor Putin warnte.

Eine gute Nachricht gibt es: Barbara Starford, Richard Herzingers Lebensgefährtin, und seine Schwester Silvia Herzinger haben mich gebeten, ein Buch mit Essays Herzingers seit 1990 zusammenzustellen, einen Reader, wohl unter dem Titel "Letztes Wort Freiheit". Erscheinen wird er hoffentlich noch im Frühjahr im Verlag Hentrich & Hentrich. Herzinger wird sich dort als das zeigen, was er war: ein Menschenfreund trotz schärfsten Verstands.

Der Perlentaucher fühlt sich dem antitotalitären Geist Herzingers und Glucksmanns verpflichtet. Auch indem er ein zuverlässiges Informationsmedium in schwankenden Zeiten bleibt: Wir sind nicht immer gut darin, uns anzupreisen. Die Zahlen, die irgendwo ganz oben auf der Homepage prangen sollten, präsentieren wir ganz unten: Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Auch darum werden wir in Marbach archiviert, wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Wir machen seit dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau, heute sind es sogar zwei. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. 22.000 Leser haben unsere täglichen Newsletter abonniert, 35.000 Leser unseren monatlichen Bücherbrief.

Von diesen 500.000 Lesern möchten wir etwa 2.000 Lesern ganz besonders herzlich danken, denn sie unterstützen uns durch kleine Daueraufträge auf unser Konto oder über den Dienstleister Steady, dem der Perlentaucher durch eine professionalisierte Ansprache der LeserInnen eine wirkliche Absicherung verdankt. Ohne diese Leser könnte der Perlentaucher nicht existieren. Wir sind zwar stolz darauf, uns auf dem Markt zu bewähren. 70 Prozent unserer Einnahmen erzielen wir durch Werbung - meist von Buchverlagen oder Kulturinstitutionen - und durch Buchverkäufe über eichendorff21 (auch damit helfen Sie dem Perlentaucher!) Aber die Unterstützung der Leser gibt dem Perlentaucher Stabilität und erlaubt uns, nicht nur die Redaktion, sondern auch freie Mitarbeiter an uns zu binden, die unseren Inhalt durch ihre Kolumnen und ihr Podcast bereichern.

Danke also, ein geruhsames Jahresende und schönes Weihnachtsfest.

Thierry Chervel