In eigener Sache

Richard Herzinger ist tot

15.10.2025. Mit großer Bestürzung erfahren wir von seiner Familie, dass Richard Herzinger gestorben ist. Herzinger war dem Perlentaucher seit Jahren als Autor verbunden. Er hinterlässt eine riesige publizistische Lücke in der deutschen Öffentlichkeit.
Richard Herzinger
Mit großer Bestürzung erfahren wir von seiner Familie, dass Richard Herzinger gestorben ist. Herzinger war dem Perlentaucher seit Jahren als Autor verbunden. Für uns - aber nicht nur für uns - stand er als einer der wenigen deutschen Autoren für eine Position zwischen allen Stühlen. Beschreiben lässt sich diese Position als im vornehmsten Sinne antitotalitär: Seine mit scharfem Witz vorgetragene Verachtung galt sowohl dem grassierenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in all seinen Spielarten wie auch einer vergrätzten Linken, die ihr letztes Refugium im Antisemitismus fand. Im Perlentaucher warnte Herzinger schon im Jahr 2011 vor dem Scheitern des arabischen Frühlings. Seine besondere Leidenschaft galt allerdings dem Kampf gegen Wladimir Putin, vor dessen tödlicher Geschichtsnostalgie er schon als Autor der Welt zu Anfang des Jahrtausends eindringlich warnte.

Richard Herzinger wurde 1955 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Germanistik an der Freien Universität Berlin. Seine Abschlussarbeit galt Heiner Müller, bei dem er sehr früh auch apologetische Tendenzen gegenüber dem Kommunismus freilegte. Später arbeitete er publizistisch für die Zeit, die Welt, den Tagesspiegel, die NZZ und die Zeitschrift Internationale Politik. Seine Perlentaucher-Kolumne veröffentlichte er parallel in der ukrainischen Zeitschrift Tyzhden. Verwiesen sei auch auf seine Webseite hold these truths.

Richard Herzinger hinterlässt eine riesige publizistische Lücke in der deutschen Öffentlichkeit. Wir vermissen ihn sehr.

Thierry Chervel und Anja Seeliger