Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Gestrandet im England der siebziger Jahre, heimgesucht von Erinnerungen an Sansibar und ohne Aussicht auf Heimkehr, mittellos und ausgegrenzt, sucht Daud Zuflucht im Reich der Phantasie, erfindet sich Geschichten und schreibt Gedankenbriefe an Freund und Feind. Mit Selbstironie und schwarzem Humor hält er sich seelisch über Wasser. Bis er eines Tages Catherine begegnet, der Schwesternschülerin, mit der er zum ersten Mal die Chance sieht, in der Fremde Heimat zu finden, und gleichzeitig erkennt, dass er sich den Schrecken der Vergangenheit und der Gegenwart stellen muss.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2005
Über das Schema der üblichen Emigranten- und Kolonialromane hinaus führt der bereits 1988 erschienene Roman des auf Sansibar geborenen Abdulrazak Gurnah, begrüßt Heinz Hug. Der Protagonist Daud, ein indischstämmiger Tansanier, erlebt in einem Pub in der englischen Provinz eine "koloniale Urszene". Nach England emigriert, bricht er sein Studium ab, arbeitet im Krankenhaus und verliebt sich. Das befähigt ihn schließlich dazu, sich mit seiner Vergangenheit und der seiner Heimat auseinander zu setzen, was jedoch zum leise anklingenden Bedauern des Rezensenten erst im letzten Drittel des Buchs geschieht. Der Roman, eine Mischung aus Gegenwart, Geschichte und inneren Monologen Dauds, lebt von seinen stets präsenten Figuren, konstatiert Hug und freut sich über die "große Sorgfalt", mit der der Autor deren Beziehungen zeichnet. Die Darstellung der "Emigration als Pilgerreise" findet der Rezensent spannend und macht dies vor allem an der von Thomas Brückner übertragenen sachlich-eleganten Sprache fest. Nach so viel Lob kann Hug nur noch resümieren: "Ein überaus lesenswertes Werk."
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