Warburg und Bing in Italien - wahrlich kein harmloser Strandurlaub mit wohldosierten Bildungseinsprengseln. Der Hamburger Kulturwissenschaftler und seine junge Assistentin reisten nach einem selbst entworfenen "Feldzugsplan", ihr Hauptthema war nichts geringeres als "der Aufstiegsraum der Seele." Folgt man den Entdeckerspuren dieses ungleichen Paares von Bologna nach Rom, von Neapel nach Florenz und anderswo, erlebt man ein anderes Italien: voller geheimnisvoller Kultbauten, unbekannter Maler, heiliger Gräber, heidnischer Gottheiten und flatternder Gewänder - und erlebt ein Land, in dem die faschistische Partei Mussolinis kontinuierlich mehr Anhänger gewann: "Italien", so Aby Warburg, "als gnadenlose Kulisse für geistige Silhouette."
Mit großer Freude hat Petra Kipphoff dieses Reisetagebuch von Aby Warburg und seiner Mitarbeiterin Gertrud Bing, genannt "College Bing", gelesen. Es handelt sich dabei um einen Auszug aus dem "geistigen Kontobuch", das der Bildhistoriker (und Bankierssohn) Warburg in seinem Institut führen ließ. In dem vorliegenden Buch sind die Einträge zur Italienreise versammelt, die Warbung und Bing trotz widrigster Umstände 1929 antraten (er mit Herzbeschwerden und Diabetes, sie mit einem Furunkel am Fuß, das Land mit dem Duce am Hals). Kipphoff nennt diese Lektüre unterhaltsam und komisch, aber auch sehr lehrreich, wobei sie von der enthusiastischen Italiennovizin Bing lernt, was das Gegenteil von "besichtigen" ist: etwas, das Warburg als "Herauserleben" bezeichnet. Kipphoff hätte nur gern im Vorwort mehr über College Bing erfahren.
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