Adolf von Harnacks ?Das Wesen des Christentums?, 1900 erschienen, avancierte zum populärsten theologischen Werk der Jahrhundertwende. Die auf einer öffentlichen Vorlesung basierende Publikation war Gegenstand leidenschaftlichster Zustimmung und wütendster Bestreitung. Allein bis 1927 erlebte das Buch 14 Auflagen und gilt noch heute als Grundschrift kulturprotestantischer Theologie und Frömmigkeit. Dies dokumentiert Trutz Rendtorff mit der Neuedition der Druckauflage von 1929. In einer ausführlichen Einleitung macht der Herausgeber die historischen und theologiegeschichtlichen Hintergründe sowie die Debatten um das Werk transparent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Harnacks theologischer Klassiker ist vor genau hundert Jahren zum ersten Mal erschienen und erscheint hier also in Neuauflage. Kurt Flasch nutzt die Gelegenheit, um den protestantischen Theologen noch einmal zu charakterisieren, der später - zu Unrecht, wie Flasch findet - durch die Figur Karl Barths verdrängt wurde. Flasch zieht den "milden" Harnack dem "rauhen" Barth fast vor. Dennoch bezweifelt er, dass Harnacks antidogmatisches Zurückgehen auf das "Wesen" des Christentums, seine Unterscheidung zwischen "Kern" und "Schale" der Lehre für heutige Christen einen Wegweiser bieten könne. Aber er begrüßt diesen "liebenswürdig modernen" Autor, der in der Weimarer Zeit allzu sehr angefeindet worden sei und verweist auch noch mal auf seine klassische Dogmengeschichte, die einzig von Joseph Turmels "Histoire des dogmes" übertroffen werde.
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