Mit einem Nachwort von Adolf Muschg. Eine Depression kann aus heiterem Himmel kommen: Die Normalität kippt um in die Logik des Nachtgängers. Auf einmal geht selbst ein vormals im prallen Leben stehender Mensch wie Adrian Naef auf der Schattenseite. Alles ist noch da; nichts davon gilt mehr. Ein Spießrutenlaufen durch die Hölle des Alltags beginnt. Panikattacken, Dämonen und Gestalten von biblischem Ernst umzingeln den Nachtgänger. Die Apokalypse vor Augen, beginnt ein Seelenwinter, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint: An Depression zu leiden zerreißt den Zusammenhang mit allem, was einem vertraut und lieb war. Kaum einer kann zum Leidenden vordringen, Hilfsangebote bestätigen ihm nur, dass die Welt aus den Fugen ist. Doch wo sitzt dieser Teufel - im Therapeuten, im eigenen Verstand, in einem unsoliden Detail der Lebensgeschichte? Adrian Naef liefert das Protokoll eines Kampfes mit einer schweren Depression.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2003
Giery Cavelty feiert freudig das literarische Comeback des Schweizer Autors Adrian Naef, der bereits als Mittzwanziger die Schweiz mit Gedichten "Oerlikonomie", "s Chäsvreneli" und über "GOTT" beglückt hatte. Nun hat Naef das Protokoll einer Depression vorgelegt, und Cavelty findet es "ebenso widerspenstig wie beeindruckend". Drei Jahre lang, erfahren wir, wurde Naef von "archetypischen Dunkelgestalten" heimgesucht, erlebte "Weltgerichte und Teufelsprüfungen" und "Panikattacken im Stundentakt". Als Autopathografen, lobt Cavelty, ist Naef ein durchaus begabter Schriftsteller, der das Bild der "Krise als Katharsis" mit einem ganzen Bündel anderer Erklärungen zu einem "widersprüchlich schillernden Gespinst" verbinde, in dem Kierkegaardsche Pathetik ebenso zu ihrem Recht komme wie die "Instantpsychologie der Frauenmagazine", die indische Chakrenlehre und die Biochemie.
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