Der Systemwechsel in Polen, dem zweitwichtigsten Land des Warschauer Paktes, gilt aufgrund seines friedlichen Verlaufs als Vorbild für eine gelungene Revolution. Vor dem Hintergrund der neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion fragt Agnieszka Zaganczyk-Neufeld nach den tieferen Ursachen für diesen glücklichen Ausgang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2015
Umfassend und komplex findet sich Christoph Klessmann mit diesem Buch von Agnieszka Zaganczyk-Neufeld über die Vorgeschichte, die Hintergründe und den Verlauf der Solidarność-Bewegung in Polen informiert. Dass die Autorin das oft verkürzt dargestellte Narrativ von der geglückten Revolution als Vorgeschichte zu 1989 einmal in aller Ausführlichkeit zeigt, von der Gründung des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) 1976 ausgehend, dass sie die Namen, Diskurse und Kontroversen der Partei und der Opposition ins Spiel bringt und untersucht, um herauszufinden, warum diese Revolution friedlich verlaufen konnte, dass sie ferner Brüche und Kontinuitäten der politischen Szene sichtbar macht, rechnet Klessmann ihr hoch an. Wenn sich im Verlauf der Lektüre mitunter die Dichotomie von Unterdrückten und Unterdrückern aufzulösen scheinen, wie Klessmann erklärt, nimmt der Rezensent das als Ausweis der Tatsache, dass die Autorin Herrschaftsdiskurse ernstnimmt. Auch oder gerade weil das Buch zu Widerspruch anregt, findet er, ist es unbedingt lesenswert.
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