Alan Moore

Jerusalem

Roman
Cover: Jerusalem
Memoranda Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783910914209
Gebunden, 1400 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt von von Hannes Riffel und Andreas Fliedner. Michael Warren kann sich an das wichtigste Ereignis seines Lebens nicht erinnern: Im Alter von drei Jahren verschluckt er ein Hustenbonbon - und droht daran zu ersticken. Zehn Minuten soll er, so heißt es, nicht geatmet haben, und während dieser zehn Minuten wird Michael hinfortgerissen in eine andere Welt, wo er als Ehrenmitglied der 'Bande der Todtoten' zahlreiche fröhliche wie furchterregende Abenteuer erlebt. Dabei erfährt er am eigenen Leibe, dass unsere Vorstellungen von Raum und Zeit, von Leben und Tod kaum an der Oberfläche der Realität kratzen: Unsere Wirklichkeit ist nur die unterste Ebene eines mehrstöckigen Weltengebäudes, das von ganz anderen Gesetzen beherrscht wird als jenen, die wir für unumstößlich halten. Und zwischen diesen höheren Gefilden und Michaels Zuhause in den Boroughs von Northampton besteht eine geheimnisvolle Wechselwirkung ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024

Clemens J. Setz hält alle für Esel, die sich den "Riesenroman" des Comicschöpfers Alan Moore entgehen lassen. Der Umfang und Moores Neigung zum ausufernden Experiment könnte vielleicht nicht jedermanns Sache sein, das ahnt Setz schon, doch was der Autor an Textformen versammelt, von einer Geschichte eines Arbeiterbezirks in Northampton über einen Jugendroman bis zu einer Reihe von Novellen, lässt das Leserherz des Rezensenten höher schlagen. Allein die mittig im Buch platzierte Geschichte einer Nahtoderfahrung eines Jungen scheint Setz derart hinreißend, dass er so manchen Metaphern-Overkill und Endlosmonolog (über den Kapitalismus) und das ein oder andere "Slapstickgeblödel", etwa zwischen den Geistern von Beckett und Bunyan, schluckt. Manches offenbart sich auch erst im Verlauf des Textes als Konzeot, etwa, wenn sich Setz an eine frühe Episode um Charlie Chaplin erinnert. Barock ist das, aber auch göttlich, findet Setz, der eine Lektüre empfiehlt, die uns neu auf die Welt blicken lässt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.11.2024

Rezensent Samuel Hamen lässt sich nicht unterkriegen von der fanatischen Wucht von Alan Moores im Original bereits 2016 erschienenem Riesenroman. Eigentlich handelt er von der Geschichte der "Boroughs", eines Viertels in Northampton, und von den dort lebenden Geschwistern Alma und Mick. Aber dann geht es ausgehend von einem bewusstseinserweiternden Unfall Micks auf einmal um alles, darunter: um eine Zwischenwelt namens "Menschenseele", um einen benediktinischen Mönch namens Peter, um Snooker spielende Geister, um die generationenübergreifende Armut im Viertel und um Samuel Beckett; wild werden Zeiten, Räumlichkeiten, Realitäten und (Fantasie-)Sprachen gewechselt, der Kritiker spricht von einem "All-you-can-imagine-Verfahren" im Zeichen eines "Eternalismus". Das sei überbordend und zwangsläufig nicht überall für jeden gleich interessant, aber trotzdem schafft es Moore für den Kritiker, nicht in der willkürlichen Anhäufung von Ideen zu landen und auch kein postmodernes Monstrum zu kreieren - dafür spreche zu viel "hemmungslos verspielte Fabulierlust" und ein linkes Interesse aus dem Text: Als roten Faden kann Hamen eine Kritik am Machtgefälle zwischen Arm und Reich in den Boroughs ausmachen, gegen das der Autor "Philippika"-artig anschreibe. Schließlich applaudiert er auch der "Kraftanstrengung", die die Übersetzer Hannes Riffel und Andreas Fliedner an dieser "barocken" Sprachfülle vollbracht haben. Ein großer Wurf eines kleinen Verlags, lobt Hamen.

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