Aus dem Italienischen von Bruno Genzler. Ein literarischer Fund: Neunundsechzig neu entdeckte Erzählungen von Alberto Moravia. Wie der neugierige Dieb aus der Titelerzählung, der vom Treiben in dem Haus, in das er einbrechen wollte, so fasziniert ist, dass er darüber das Stehlen vergisst, verfolgt Moravia gebannt die Erlebnisse seiner Figuren. Ganz gleich, ob es nun kleine Ladenmädchen, unglückliche Ehepaare, rivalisierende Liebhaber oder ehrgeizige Buchhalter sind, immer durchdringt sein Blick die Fassade, enthüllt uns die Träume, Ängste und Gefühle der Menschen, lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf die komischen, surrealen Aspekte einer Situation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2002
Wenn er den Mantel des modernen Klassikers auch ein klitzekleines bisschen zu groß findet für die hier versammelten kurzen Prosatexte aus den Jahren 1928-1951, so erkennt Winfried Wehle doch die Vorteile "dieser Miniaturen". Dass sie nämlich nicht unter "ästhetischer und ideologischer Aufsicht" stehen und "bereitwillig ihre elementaren Antriebe und ihre Machart" entblößen. Wie es sich damit verhält, sagt er uns auch. Stets treffen wir, so Wehle, auf ein Ich oder ein Er, auf jemanden, "der vorsätzlich, wie ein Voyeur, hinter einen anderen (oder sich selbst) kommen will". Das Thema der Entfremdung also, von Moravia, dem Moralisten, in "Ausschnittsvergrößerungen" abgetastet, vor dem Hintergrund "auffallend entschiedener genius loci", wie Wehle hinzufügt: in Zimmern, Cafes, Bussen, Gefängnissen, Irrenhäusern, "so dass seine 69 Geschichten etwas Demonstratives annehmen". Was Wehle veranlasst zu denken, hier "nicht unbedingt den besten, aber einen authentischen Moravia" angetroffen zu haben.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…