Aus dem Slowenischen von Matthias Göritz. Die Geschichte einer starken Frau als Metapher für das 20. Jahrhundert und die gesellschaftlichen Prozesse jener Zeit. Aleš Štegers neuer Roman erzählt die Geschichte einer beeindruckenden Frau vor dem Hintergrund der jugoslawischen Geschichte. 1923 geboren, tritt Zora den Partisanen bei, um sich dem Nationalsozialismus entgegenzustellen - und genau diese kämpfende Haltung wird sie ihr ganzes Leben beibehalten müssenWährend Zora gegen ihre Traumata aus dem Krieg ankämpft, gegen die Ablehnung ihrer streng katholischen Familie, gegen die Zurückweisung in Slowenien nach ihrer Rückkehr aus Belgrad, ist sie zugleich Zeugin der Veränderungen in der kommunistischen Bewegung über Generationen hinweg und erlebt immer wieder, was Umbrüche und Neuanfänge aufbauen, was sie aber auch zerstören, was sie in Feuer und Asche überführen. "Feuer" zeigt den Verfall der Geschichte, Aufstieg und Fall von Titos Jugoslawien, die inneren Paradoxien, Widersprüche und das tragische Scheitern eines der größten sozialen und politischen Experimente im Europa des 20. Jahrhunderts. Es ist ein weiblicher Roman, ein Widerstandsroman, ein Roman einer Revolution, die am Ende ihre eigenen Kinder frisst.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper liest Ales Stegers Roman über die slowenische Ethnologin Stefka Cobelj als fiktionalisierte Biografie einer kämpferischen Frau in der Mitte des 20. Jahrhundert. Auch wenn die direkte Ansprache der Protagonistin im Text auf Wüllenkemper etwas betulich wirkt, Zeitgeschichte wie Kollaboration und Partisanentum im Deutschen Reich, Titos Herrschaft in Jugoslawien und ihr Zerfall und anderes mehr werden laut Rezensent erlebbar. Figurenzeichnung und erzählerische Tiefe sind allerdings nicht unbedingt die Stärken dieses Romans über die Identitätssuche einer Frau in einer von Kriegen und Ideologien geprägten Zeit, urteilt Wüllenkemper.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.08.2026
Fast schon, glaubt Rezensent Jörg Plath, Ales Steger, der berühmteste slowenische Autor der Gegenwart, sei der Jugo-Nostalgie verfallen. So heldinnenhaft lässt er seine Figur Zora auftreten, so tapfer lässt er sie gegen den Katholizismus der Elterngeneration rebellieren, den Partisanenkampf unterstützen, Folter und Todesurteile durch die Deutschen überleben... mit so "plakativer Starre" begegnet sie all den titelgebenden "Feuern" in ihrer Lebensgeschichte und der Geschichte ihres Landes, dass sie zur "Allegorie" zu werden droht, so Plath. Doch der reale Lauf der Geschichte, auf der Stegers Roman basiert, rettet Stegers Erzählung, lesen wir: Zora gerät in Konflikt mit dem jugoslawischen Staat: Sobald sie ihm unbequem wird, macht er sie mundtot und entlarvt so seine eigene Ideologie, lesen wir. Weil Zoras Perspektive und Verständnis jedoch begrenzt sind, greift der Autor hin und wieder erklärend ein, wodurch die Erzählung stellenweise etwas didaktisch wirkt - ein Manko dieses ansonsten runden Romans, lesen wir.
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