Marica Bodrozic

Tito ist tot

Erzählungen
Cover: Tito ist tot
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413081
Gebunden, 154 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Sein Porträt hängt in jedem Klassenraum, sein durchdringender Blick beherrscht die Amtszimmer, Schusterläden und Metzgereien, und die Nachricht von seinem Tod erreicht auch jene abgelegene Gegend in Dalmatien, wo die Erzählerin ihre Kindheit verbringt. Widerwillig lässt sie die Schulfeierlichkeiten über sich ergehen, während der Großvater um den größten Verlust seines Lebens trauert: um Tito und Jugoslawien. Doch nicht die Politik und der sich abzeichnende Zerfall des Landes beschäftigen das Mädchen, sondern die Sommerlandschaft und ihre Bewohner.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2002

Rezensent Tilman Spreckelsen ist beeindruckt. So intensiv, "so irritierend eigenständig", wie die 1973 geborene Marica Bodrozic in ihrem Debüt, betrete selten ein Autor die literarische Bühne. In den vierundzwanzig kurzen Texten des Bandes nehme sie jeweils einzelne Ereignisse, Themen oder Figuren zum Ausgangspunkt für die Rekonstruktion eines spezifisch kindlichen Bewusstseins, aus dessen Perspektive sie erzähle. Schauplatz ist ein dalmatinisches Dorf, lesen wir. Als zentrales Ereignis beschreibt der Rezensent Titos Tod, Anlass für die Erinnerung an die Zeit des zweiten Weltkrieges. Gleichzeitig deutet dieser Tod den blutigen Zerfall Jugoslawiens voraus. Die Erzähltechnik, in der Geschichte aus der Perspektive eines Kindes im Grundschulalter abgebildet wird, bezeichnet der Rezensenten als kleine Sensation. Hoch lobt er auch die Sprache der Autorin. Ihre Freude am "Klang der Worte" teilte sich ihm auf jeder Seite mit. Das Zusammenspiel "von ungewöhnlichen Formulierungen" und keinem verknappten Erzählstil, ergab für ihn eine Fülle von außerordentlich suggestiven Bildern.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.06.2002

Der zeitgenössischen Versuchung der spektakulären Schauplätze hat Maria Bodrozic widerstanden, schreibt der Rezensent Karl-Markus Gauß, denn ihre Erzählungen spielen in einem "namenlosen Dorf in Dalmatien" zur Zeit ihrer Kindheit. Was Gauß an Bodrozics Prosa gefallen hat, ist die "Magie", die die Autorin "über alle Dinge breitet". Sie erschaffe eine Welt, die sowohl "lockend" als auch "bedrohlich sei, in der "Schrecken" und Schönheit" sich die Hand reichen und ständig um die Hoheit buhlen. Auch lobt Gauß Bodrozics Versuch, die Schwierigkeit der Kindheitserinnerung, die in der Spannung zwischen Wissen und Unschuld liegt, zu meistern: "Sie verrät das Mädchen, das sie damals war, nicht an die Erwachsene, die sie heute ist." Was dabei herauskommt, so der Rezensent, ist eine erstaunliche "sinnliche Prägnanz".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2002

Ziemlich beeindruckt ist der A. Bn. zeichnende Rezensent von diesem Debüt der in Jugoslawien geborenen und in Deutschland lebenden Maria Bodrozic - gerade auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Autorin nicht in ihrer Muttersprache schreibt. Trotz dieses Handicaps findet der Rezensent, dass der "Nuancenreichtum und die Bildkraft" der Autorin "frappieren" und dass sie "Romanminiaturen von traumwandlerischer Schönheit und bodenloser Traurigkeit geschaffen hat". Angesichts des beschriebenen Leids stört ihn manchmal "die poetische Überhöhung", die ihm die Erzählungen manchmal zu "mädchenhaft-duftig" erscheinen lassen - aber das ist auch der einzige Einwand, den der Rezensent gegen diese Sammlung von Geschichten hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2002

Ist vielleicht nicht unbedingt das, was wir gerade ersehnen, die Grundstimmung "eines frühmorgendlichen, leicht dunstigen Spätsommertags" (erst mal den Sommer, bitte sehr). Sabine Franke sieht das anders. Ihr haben die Ruhe, die "hymnische Verklärtheit" und "sprachliche Präzision" dieser Erzählungen so gut gefallen, dass sie über den leichten Hang der jungen Autorin zum Nostalgischen und Bedeutsamen gern hinwegsieht. Besser als in das Tempo der Popliteratur zu verfallen, glaubt sie, ist das allemal. Und wenn das Buch auch keine politischen Implikationen hat (wie der Titel vermuten lassen könnte), so fühlt sich Franke durch die Unmittelbarkeit der gebotenen Kindheitserinnerungen an eine zurückgelassene südliche Heimat doch mehr als entschädigt.

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