Amir Hassan Cheheltan

Der standhafte Papagei

Erinnerungen an Teheran 1979
Cover: Der standhafte Papagei
Matthes und Seitz, Berlin 2018
ISBN 9783957574800
Gebunden, 197 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Persischen von Jutta Himmelreich. Herr Firuz, Besitzer eines Spirituosenladens im Zentrum Teherans, begreift als Erster, dass sich etwas Großes zusammenbraut. Völlig unerwartet steht sein eigener Sohn als Anführer einer marodierenden Bande Jugendlicher vor dem Schaufenster des elterlichen Geschäfts und wirft wortwörtlich den ersten Stein. Während immer mehr Bewohner des Viertels sich der Chomeini nahestehenden Basidischi-Miliz anschließen, wird vor seinem Laden gestritten, gebetet und geschossen, zugleich erstarkt die Hoffnung, dass vielleicht doch etwas Gutes aus den Ruinen der gestürzten Monarchie entstehen kann. Doch die revolutionären Kräfte radikalisieren sich immer mehr und etablieren schließlich jenes unterdrückerische Regime, das die korrupte Gewaltherrschaft Pahlavis durch einen despotischen Gottesstaat ersetzte, unter dem die liberalen Kräfte im Land noch heute leiden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2019

Susan Vahabzadeh bewundert Amir Hassan Cheheltan für seine Redseligkeit, mit der er seine private Geschichtsschreibung betreibt. Wie der im Exil lebende Autor die iranische Revolution in diesem Buch von unten betrachtet, aus der Perspektive normaler Menschen in seinem Viertel, als Mischung aus Roman und Dokumentation, Erinnerung und Sachbuch, findet Vahabzadeh lesenswert. Wie wirklichkeitsnah der Autor tatsächlich vorgeht, scheint ihr letztlich zweitrangig, die Geschichten im Buch sind genau recherchiert und nacherzählt, meint sie, auch wenn die Figuren manchmal dahinter verschwinden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2018

Renate Wiggershaus sieht in Amir Hassan Cheheltan einen "Meister der melancholischen Aufklärung". Wenn der Autor von der Übergangszeit der Revolution in seiner iranischen Heimat vor 1979 berichtet, vom Straßenhandel und den gewaltsamen Repressionen des Regimes, bewundert Wiggershaus den Quellenreichtum der Texte und wie sich Schrecken und Freuden, das Amüsante und das Groteske darin immer wieder mischen. Gerade in den vom Autor laut Wiggershaus mit großer Gelassenheit notierten Details wird für die Rezensentin das Machtgefüge vor und nach dem Sieg der Islamischen Revolution sichtbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018

Rezensentin Verena Lueken erkennt bei Amir Hassan Cheheltan den Horror der Islamischen Revolution im Jahr 1979 im Iran, auch wenn der Autor zeigt, dass es auch alles ganz anders hätte sein können. Wie Cheheltan die politischen Ereignisse, vor allem aber die Reaktionen und Stimmungen der Menschen in seinem Viertel in Teheran zeichnet, scharf, farbig, nüchtern und dann wieder märchenhaft, hat Lueken gut gefallen. Als versierter, vielschichtiger Beobachter tritt der Autor hier in Erscheinung, so wie Lueken ihn bereits kennt und schätzt.
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