Lilly ist neun, als ihre Eltern beschließen, das kleine ostfriesische Dorf, in dem sie geboren wurde, zu verlassen und dorthin zurückzukehren, wo sie herkommen: Teheran, Iran. Dort versteht Lilly die Welt nicht mehr: Nicht die prächtigen Villen mit Kristalllüstern, nicht die zahlreiche persische Verwandtschaft, die das ihr unverständliche Farsi spricht, nicht die Eltern, die sie plötzlich nicht mehr Fahrrad fahren lassen. Aber Lilly passt sich nicht an, ihr bleibt ihr Eigensinn und die Wut, von den Eltern in eine fremde Welt verschleppt worden zu sein. Dann verlässt eines Tages der Schah das Land, Bomben fallen auf Teheran und Chomeinis Sittenwächter dringen auch in die abgeschlossene Welt der persischen Oberschicht ein. Was Lilly bleibt, ist die Sehnsucht nach Deutschland, nach Abendbrot, Fahrradfahrten und Apfelbäumen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.01.2013
Joseph Hanimann kann mit Wäis Kianis Debütroman "Hinter dem Mond" absolut nichts anfangen. Sie schreibt darin aus der Perspektive eines kleinen Mädchens, das mit seinen Eltern aus Ostfriesland in den Iran zieht, das Herkunftsland der Eltern. Dort schafft sie es nicht, sich einzufügen und zieht schlussendlich mit ihrem Vater zurück nach Deutschland. Hanimann hat einiges auszusetzen: die Charaktere findet er schablonenartig, eine Entwicklung der Protagonistin über die sieben Jahre, die der Roman umfasst, findet ihm zufolge nicht statt. Vieles scheint ihm aus der gängigen Jugendliteratur entnommen und ungenügend zusammengesetzt. Nur das Ende des Romans ließe sich als ironische Brechung deuten, die käme ihm aber ein paar hundert Seiten zu spät. Lieber läse Hanimann Kolumnen und Reportagen der Autorin.
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