Andre Schiffrin

Paris, New York und zurück

Politische Lehrjahre eines Verlegers
Cover: Paris, New York und zurück
Matthes und Seitz, Berlin 2010
ISBN 9783882216851
Gebunden, 448 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Marenzeller. Geboren in Frankreich als Sohn eines russischen Juden, der als Verleger im Paris der 20er und 30er Jahre eine herausragende Rolle spielte, verschlug es Andre Schiffrin nach der erzwungenen Flucht vor den einmarschierenden Nazis mit seiner Familie über Casablanca nach Amerika, wo er nach einem Studium in Yale als Verleger über die Landesgrenzen hinaus berühmt werden sollte.
Die Lebensgeschichte dieses wohl bekanntesten unabhängigen Verlegers
liest sich wie ein Entwicklungsroman vor dem Hintergrund der politischen und intellektuellen Turbulenzen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - aber auch wie ein Abgesang auf eine verlorene Kultur: Politisches Engagement, die Linke in Amerika, die Atmosphäre unter McCarthy, der Antisemitismus an den Universitäten und immer wieder Begegnungen mit seinen Autoren: Noam Chomsky, Michel Foucault, Eric Hobsbawm, Simone de Beauvoir, Art Spiegelman oder Marguerite Duras.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2010

Mit Hingabe und Gewinn hat der Verleger Michael Krüger die Memoiren des amerikanischen Kollegen gelesen, die ihn mit dem Verfasser von Aserbaidschan über Genf und Venedig (und Peggy Guggenheim) erst nach Paris und schließlich, nach dem Einmarsch der Deutschen, nach New York geführt haben. All diese Lebensstationen vollzieht Krüger in empathischen Nacherzählungen nach. In New York, so Krüger, habe der Autor dann mit dem aus Deutschland geflohenen Kafka-Verleger Kurt Wolf eine fruchtbare Zusammenarbeit begonnen, im 1990 von Bertelsmann übernommenen Pantheon-Verlag. Die Geschichte dieser feindlichen Übernahme liest sich für Krüger schließlich wie eine Vorgeschichte dessen, "was uns blühen könnte", es sei denn, "der digitale Furor machte uns auf andere Weise den Garaus".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2010

Sehr viel Neues ist für den Kenner in diesem Buch zunächst einmal nicht zu erfahren, stellt Rezensent Michael Schmitt etwas enttäuscht fest. Seine Verlegerkarriere hat Andre Schiffrin bereits in der kürzeren Streitschrift "Verlage ohne Verleger" geschildert - da wiederholt sich nun manches. (Das ändere aber nichts daran, dass das, von Pantheon Books bis The New Press, wichtige Kapitel der US-Verlagsgeschichte des 20. Jahrhunderts sind.) Nach zwei Dritteln gebe es dann aber, so Schmitt, doch noch spannende Einblicke in andere Stationen von Schiffrins Leben: etwa die Erzählung vom Besuch des 13-Jährigen in Frankreich, wo er Freunden des Vaters wie Andre Gide und Martin du Gard begegnet. Eine Geschichte der US-Nachkriegs-Linken stecke auch drin im Buch, ebenso wie ein Plädoyer für den Glauben ans Wirken und Tun des ambitionierten Verlegers. Insgesamt wird die Besprechung dann doch zu einer Leseempfehlung.

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