Um die Lebensmitte, wenn die magische 5 unaufhaltsam näher rückt und man sich immer häufiger nicht auf Anhieb im Spiegel erkennt, stellt sich wieder mal die Grundsatzfrage: Lange ausgehen, viel trinken, heftig flirten - alles, was sich über Jahrzehnte als Stimmungsaufheller bewährt hat, bereitet auf einmal weniger Spaß als Kopfschmerzen. Für Hobbys ist man auch nicht der Typ. Was also tun mit dem Rest des Lebens? Alles hinschmeißen und unter falschem Namen nochmal neu anfangen? Eine Umschulung zum Kriminalkommissar oder zur Psychoanalytikerin in Angriff nehmen? Nach Hawaii übersiedeln? Nein, alles nicht nötig. Andrea Gerk zeigt, wie viele wunderbare Kleinigkeiten das Leben bereithält, wenn man erst einmal die nötige Reife besitzt, um sie überhaupt zu erkennen: Pilze suchen, die eigenen Ticks und Macken pflegen, Vögel beobachten, die Verflossenen zum Essen einladen, Sauerteigbrot backen, mal wieder eine rauchen, eine Playlist für die eigene Beerdigung zusammenstellen, Kopfstand üben.
Rezensentin Ursula März hat keine Lust, Weihnachtsbücher zu empfehlen, stattdessen: Andrea Gerks, von Moni Port "witzig" illustriertes Buch über Sachen, die man mit 50 aufwärts machen kann (Haare lang wachsen lassen, aufwendig kochen, 18 Uhr Drink etc.) - weil die Zeit dafür da ist und sie einfach Spaß machen. Daran, dass die beiden Autorinnen wissen, worüber sie schreiben bzw. zeichnen, hat März keinen Zweifel. Gut gefällt ihr, dass Ratgeberton und Alterslamento draußen bleiben. Eine gescheite Tieferlegung der Gattung Kalendergeschichte, freut sich März. Die "Genusslogik" des Ganzen sagt ihr aber auch ganz unmittelbar zu.
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