Andrea Sawatzki

Ein allzu braves Mädchen

Roman
Cover: Ein allzu braves Mädchen
Piper Verlag, München 2013
ISBN 9783492055666
Gebunden, 176 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Die Hunde bellen tagelang im Garten des Anwesens, bevor man Winfried Ott findet. Der 71-Jährige liegt nackt im Schlafzimmer seiner Villa, er ist mit einer scharfkantigen Waffe ermordet worden. Zur gleichen Zeit entdeckt die Polizei in einem Waldstück eine verstörte junge Frau. In einem schillernden grünen Paillettenkleid hockt sie frierend unter den Zweigen einer Tanne sie kann sich nicht erinnern, wie sie an diesen Ort gelangt ist. Nach ihrer Einweisung in die Psychiatrie öffnet sie sich nur ganz allmählich ihrer Therapeutin. Was sie schließlich erzählt, ist bewegend, tragisch und schockierend zugleich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2013

Nach der Lektüre von Andrea Sawatzkis erstem Roman "Ein allzu braves Mädchen" bleibt Rose-Marie Gropp mit gemischten Gefühlen zurück. Zwar liest die Rezensentin die  spannende Geschichte um eine junge, nach Zuwendung suchende Frau, die ihre traumatische Vergangenheit - Brutalität in der Familie und Arbeit als frühreife Prostituierte - in einer geschlossenen Klinik mit einer Psychotherapeutin aufarbeitet in nur wenigen Stunden und lobt sie als durchaus "dicht gewebten Seelenstoff". Zugleich muss die Rezensentin aber auch enttäuscht erkennen, dass sich die ehemalige Tatort-Kommissarin Sawatzki trotz der mitunter überraschend "rüden", dem Milieu angepassten Sprache ihrer Protagonistin bisweilen in Plattitüden verfängt. Darüber hinaus hat Gropp nicht nur die allzu "schlingernde" Erzählperspektive, sondern auch das inbrünstige, aber leider wenig realistische Plädoyer für die Menschenwürde und den langen Prozess der Heilung gestört.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2013

Wahrhaftig ist dieser Debütroman für die Rezensentin dort, wo die Autorin ihrer (eigenen) Geschichte vertraut und die Erfahrungen mit dem an Alzheimer erkrankten Vater kammerspielartig schildert. Leider, so erläutert Claudia Fromme, hat Andrea Sawatzki es nicht darauf beruhen lassen, sondern eine klischeetriefende Geschichte um einen perversen Alten und eine von Kindheitstraumata gezeichnete junge Frau hinzufantasiert. Laut Fromme öffnet Sawatzki damit die ganz große Psychokitschkiste. Auch sprachlich, meint sie, ist dem Text anzumerken, dass er phasenweise in Drehpausen auf dem iPhone entstanden ist. Apropos Drehen, mit seiner effekthaschenden Art und den kurzen Schnitten erinnert das Buch Fromme an Filmkrimis.

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