"Testing for competence rather than for intelligence" - dieser Titel David McClellands stand zu Beginn der 70er Jahre für eine scharfe Kritik an der These von der "angeborenen" Intelligenz, die mit psychologischen Mitteln soziale Ungleichheiten zementiert. Seitdem ist der Begriff der Kompetenz zum Kassenschlager einer psychologischen Industrie geworden, die privates Lebensglück, soziale Sicherheit und beruflichen Erfolg unterschiedslos auf die Ausbildung entsprechender Kompetenzen zurückführt. Das neue Testing Movement verkauft "Kompetenzkapital" als Wettbewerbsvorteil und empfiehlt sich als Begleiter auf dem Weg in die "Kompetenzgesellschaft". Eine Kritik, die auf diese Situation mit einem "Ja, aber" reagiert und hofft, aus den Techniken der Personalentwicklung Kapital für die eigene Persönlichkeitsentfaltung schlagen zu können, wiederholt letztlich nur die Marketingversprechen der Psychoindustrie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.06.2011
Offenbar hat Harry Nutt diese "Kritik der Kompetenz" von Andreas Gelhard mit Gewinn gelesen, explizit sagt er das nicht, aber Resümee liest sich doch eher angeregt als ablehnend. Der Darmstädter Literaturwissenschaftler und ehemalige Lektor von Suhrkamp Wissenschaft erklärt darin mit Rückgriff auf Kant, Foucault und Luc Boltanski, wie die Kompetenz zu einem Schlüsselbegriff der Wissensgesellschaft werden konnte. Beziehungsweise zur zentralen Ressource im neuen "Kontaktkapitalismus", in dem das eigene Netzwerk und die Fähigkeit, den Kontakt nicht abreißen zu lassen, entscheidend geworden sind und indem sich das unternehmerische Selbst in einer permanenten Testsituation befindet.
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