Die Auseinandersetzung um die von der Regierung Brandt/Scheel 1969 eingeleitete neue Ost-Politik gehört zu den großen Kontroversen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Im Gegensatz zur Regierungskoalition und ihren Hauptakteuren, Bundeskanzler Brandt, Außenminister Scheel oder Staatssekretär Bahr, wurde der Beitrag der CDU/CSU-Opposition unter Rainer Barzel und Franz Josef Strauß an dieser Auseinandersetzung noch nicht umfassend gewürdigt. Auf breitester Quellengrundlage schildert die Studie die Reaktionen von CDU und CSU auf die Ost- und Deutschlandpolitik der Bundesregierung sowie deren Rückwirkungen auf die Union insgesamt und das Verhältnis der beiden Unionsparteien zueinander. Neben den Ostverträgen, dem Vier-Mächte-Abkommen über Berlin und den Verträgen mit der DDR werden dabei auch das konstruktive Misstrauensvotum, die vorgezogene Bundestagswahl 1972 sowie die Klage Bayerns gegen den Grundlagenvertrag vor dem Bundesverfassungsgericht behandelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2005
Instruktiv findet Rezensentin Petra Weber diese Untersuchung von Andreas Grau über die Reaktion der Unionsfraktion auf die ost- und deutschlandpolitischen Vorstöße der SPD/FDP-Koalition von 1969 bis 1973. Auf breiter Quellengrundlage zeichne Grau "akribisch genau" die Meinungs- und Entscheidungsprozesse der CDU/CSU-Fraktion nach. Weber sieht in dieser minuziösen Nachzeichnung durchaus eine Stärke der Arbeit, die manchmal allerdings auch zu einer Schwäche werde. Denn vor allem die überaus detaillierte Wiedergabe der Wortprotokolle der Bundestags- und Fraktionssitzungen führt nach Ansicht Webers zu zahlreichen Wiederholungen. Zudem moniert sie, dass sich der Autor bei entscheidenden Fragen oft um eindeutige Antworten herumdrückt. Kritisch wertet Weber ferner, dass Grau auf die ost- und deutschlandpolitischen Positionen der Regierungskoalition kaum eingeht, sondern sich fast ausschließlich mit den Argumenten der Opposition befasst. Das Resümee der Rezensentin: "Ein etwas kritischerer Umgang mit den Quellen und mehr Mut zu eigenständigen Urteilen hätten die Arbeit noch wertvoller gemacht, als sie es ist".
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