Die maoistischen K-Gruppen, entstanden aus der Studentenrevolte der Jahre nach 1967, waren die größte linksradikale Gruppierung der Bundesrepublik und eine der totalitärsten Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts. Andreas Kühn schildert, unter welchen Bedingungen sie entstanden, und rekonstruiert die Lebenswelt ihrer Mitglieder und "Sympathisanten". Die K-Gruppen sind heute nahezu bedeutungslos, doch nicht wenige Angehörige der heutigen politischen und wissenschaftlichen Elite wurden darin sozialisiert ein zentrales Kapitel unserer jüngsten Geschichte.
Durchaus spannend erscheint Rezensent Sven Reichardt diese Geschichte der wichtigsten K-Gruppen in der Bundesrepublik der siebziger Jahre, die Andreas Kühn vorgelegt hat. Dennoch überwiegen in seiner Besprechung die kritischen Töne. Für "zu weltfremd" hält er Kühns Studie. Denn Lebenswelt und Alltagskultur der K-Gruppen bleiben seines Erachtens stark unterbelichtet. Stattdessen analysiere Kühn ausgiebig die politische Programmatik und die Agitationsmodi der K-Gruppen. Anerkennend erwähnt Reichardt in diesem Zusammenhang, dass Kühn dafür "in mühevoller Detailarbeit" die "eher unerfreulichen" Traktate in den "Zentralorganen" dieser Gruppen studierte. Mit Bedauern stellt Reichardt fest, dass das Alltagsleben und die alltagsweltliche Plausibilität, die diese Gruppen für ihre "Basismitglieder" hatten, "nur sehr selten verständlich werden". Zudem tadelt er Kühn für seine "verzerrenden Vergleiche mit dem Nationalsozialismus". Hier erinnert ihn die Darstellung eher an die "politische Kampfrhetorik eines in den Siebzigerjahren generalisierten Faschismusvorwurfs" als an eine "nüchterne wissenschaftliche Erklärung".
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