Deutschland steckt in einem Dilemma. Allenthalben wird erwartet, dass es politische Führung übernimmt. Doch wenn es dies tut, ist der Vorwurf der deutschen Dominanz vorprogrammiert. Der renommierte Historiker Andreas Rödder erzählt die Geschichte, die dahintersteht: die Geschichte der 'deutschen Stärke' in Europa, die alle Katastrophen des 20. Jahrhunderts überlebt hat, die Geschichte deutscher Selbstbilder als Kulturnation und die Geschichte der vielen zwiespältigen Gefühle der Nachbarn gegenüber Deutschland - die bis heute immer wieder präsent sind. Wie kann Deutschland mit diesen Ambivalenzen umgehen? Wie lassen sich deutsche Stärke und europäisches Gemeinwohl vereinbaren? Und wie kann Deutschland zu einem starken Europa beitragen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Gustav Seibt empfiehlt Andreas Rödders Buch als knappes wie umfassendes Werk zum deutschen Problem. Historisch und aktuell, konkurriert der Text laut Seibt mit Arbeiten von Hans Kundnani und Herfried Münkler. Sein wichtigster Verdienst besteht für den Rezensenten darin, dass der Autor bei seiner Feststellung fortdauernder Virulenz des deutschen Problems nicht zu Fatalismus neigt, sondern es zu einem europäischen Problem macht. Hier hätte sich der Rezensent eine größere Ausführlichkeit gewünscht, etwa so, wie der Autor europäische Opfergeschichten anhand von Interviews erzählt. Ein Buch gegen die historische Blindheit von rechts wie von links, meint Seibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018
Rezensent Günther Nonnenmacher hört Andreas Rödder gut zu, wenn der Fremd- gegen Selbstwahrnehmung der Deutschen abwägt und neben seiner historischen Darstellung von Reichsgründung und Nationalsozialismus als Ursachen der Problemlage schließlich Handlungsanweisungen für eine wohlwollende Führung ausgibt. An ein Europa a la carte unter britisch-deutsch-französischer Führung, wie es sich der Autor vorstellt, kann Nonnenmacher aber nicht glauben. Ein Buch für Leser, die sich für Europa-Politik interessieren, meint der Rezensent, und die offen sind für Einsichten wie die, dass Fremdwahrnehmungen häufig auf Selbstbildern beruhen.
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