Andrzej Szczypiorski

Feuerspiele

Roman
Cover: Feuerspiele
Diogenes Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783257062533
Gebunden, 362 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer. Ein amerikanischer Industrieller, ein Exilrusse und ein polnischer Jude planen eine Kunstausstellung privater Sammler im deutschen Kurort Bad Kranach. Doch treffen hier Menschen aufeinander, die weniger miteinander gemein haben, als sie dachten ? und doch mehr, als ihnen lieb ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Klaus Harpprecht findet den Roman `missglückt`, und empfiehlt ihn trotzdem nachdrücklich zur Lektüre. Er sei das `Testament` des verstorbenen polnischen Autors, der den Aufstand des Warschauer Ghettos und das deutsche Konzentrationslager überlebt hat. Szczypiorski schreibt hier gegen das Vergessen an, bemerkt der Rezensent. Die Handlung moniert er als `mühsam konstruiert`, dazu manchmal kaum zu durchschauen, und die Ereignisse, die in der erzählten Gegenwart des Romans spielen, lassen ihn `ziemlich kalt`. Die `Beschwörung der Vergangenheit` aber, die auch in die Gegenwart hineingreift, findet der Rezensent `unmittelbar und ergreifend`. Sie macht für ihn das Buch lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Marta Kijowska ist enttäuscht. Andrzej Szczypiorski scheint seine `Fabulierlaune` zugunsten einer `Lust am Räsonieren` verloren zu haben. Sein letzter Roman, der wieder einmal ein Panorama menschlicher Schicksale zeigt, ist der Rezensentin in seiner Handlung zu konstruiert. Die Figuren bleiben `seltsam konturlos`. Ihre Geschichte durchbricht der Autor als `allwissender Weiser` mit Verallgemeinerungen, die das Verständnis des Leser aber nicht erweitern, so die Rezensentin. `Feuerspiele` lese sich - ähnlich wie auch Szczypiorskis vorletzter Roman `Selbstporträt mit Frau` - wie ein `historisch-moralischer Essay`: `Der Moralist hat sein Schlussplädoyer gesprochen, der Erzähler, der mit `Die schöne Frau Seidenmann` und `Eine Messe für die Stadt Arras` die Glanzstücke seiner Prosa lieferte`, ist dabei leider auf der Strecke geblieben, resümiert Kijowska.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Es geht, laut dem polnischen Titel, um "Spiele mit dem Feuer", und die Rezensentin Katarina Holländer moniert durchaus die im Deutschen verharmlosende Umbenennung. Das Buch, schreibt sie, ist eine "brennende Liebeserklärung an die Erinnerung". Aber wer erinnert sich und an was? Zunächst ist es der Protagonist Jan; nachdem seine Frau gestorben ist, bricht eine "Flut" von Erinnerungsbildern über ihn herein; dabei schlüpft er jedoch "in die Erinnerungen anderer, Lebender und Toter", schreibt Holländer. Das Geheimnis liegt darin, wie sich jeder anders an den Krieg erinnert: ob "Polen, Deutsche, Juden, Nazis, Kommunisten". Erinnerung ist Interpretation, auch die des Lesers, schreibt die Rezensentin. Sie ist aber auch Möglichkeit der Vollendung einer Tat, die in der Realität ungetan blieb, "die Rache eines unerschrockenen Juden am Tod seines Bruders". Nach der "Läuterung", die der Autor nicht so nennt, schreibt Holländer, führt die Frau Rita Jan aus seiner Erinnerungskammer über den Hof zu einem "anständigen" Menschen. "Es sieht aus wie Rettung", schreibt Holländer, aber der Mann ist Sargschreiner. Und überhaupt ist "zunehmend fraglicher" geworden im Verlauf des Buches, so die Rezensentin, "ob sich etwas bewegt hat" in den zwei Monaten des Erinnern, ob nicht alles auf einer Ebene "jenseits des Zeiträumlichen" geschieht. Ein "meisterhaft präzises und zugleich uneindeutiges" Buch, urteilt Katarina Holländer.
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