Slawomir Mrozek

Balthasar

Autobiografie
Cover: Balthasar
Diogenes Verlag, Zürich 2007
ISBN 9783257065817
Gebunden, 376 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Marta Kijowska. Seine Stücke 'Tango' und 'Striptease' kennen nicht nur Theaterfans. Seine Stücke werden rund um den Globus gespielt, kein anderer Theaterautor nach Samuel Beckett wurde so berühmt. Nun schrieb der Dramatiker seine Autobiographie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2007

Dem Schreiben der Autobiografie ging ein Schicksalsschlag voraus. Im Jahr 2003 erlitt der große polnische Autor Slawomir Mrozek am Schreibtisch einen Gehirnschlag - und verlor infolgedessen die Sprache. Ein seltsamer Traum suchte ihn heim, in dem ihm bei einer Auslandsreise alle Wünsche erfüllt werden unter der Bedingung, dass er fortan nur noch den Namen Balthasar führe. Daher der Titel dieser Autobiografie, an der den Rezensenten Stephan Wackwitz in erster Linie die frühen Erinnerungen zu faszinieren scheinen. In Unschuld getaucht sind die Erinnerungen an die Zeit der Nazi-Besatzung, den sozialistischen Nachkriegsjahren kommt Mrozek aber bereits mit bitterer Komik bei. Bei allem zeithistorischen Interesse sieht Wackwitz in dem Band aber vor allem - oder jedenfalls auch - ein herausragendes Buch über Mrozeks Heimatstadt Krakau, die er hier treffend porträtiert findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2007

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Ulrich M. Schmid von dieser Autobiografie des berühmten polnischen Dramatikers Slawomir Mrozek. Ein Hirnschlag im Jahr 2002 und eine anschließende Aphasie erschütterten die Identität des Autors und markierten einen Wendepunkt in seinem Leben. Vorliegende Autobiografie, entstanden auf Anraten von Mrozeks Logopädin im Zuge seiner Bemühungen, seine Sprache wieder zu erlangen, ist für Schmid dann auch ein "bemerkenswertes Dokument einer Selbstfindung". Er bezeichnet die Perspektive, die Mrozek einnimmt, als die des symbolisch Toten, der auf sein Leben zurückblickt. Mrozek erfahre seine Schreibsituation als "Epilog zu einem Leben", das eigentlich mit dem Hirnschlag geendet habe. Insofern fällt der Blick des Autors auf sein Leben nach Ansicht Schmids recht distanziert aus. Sein Ich nehme er dabei stark zurück. Schmid hebt in diesem Zusammenhang auch Mrozek gelassene und ironische (Selbst-)Einschätzungen hervor. Sich selbst oder dem Publikum etwas vorzumachen, habe Mrozek, der sich nach einem Traum Balthasar nennt, nicht mehr nötig.
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