Angela Krauß

Der Strom

Cover: Der Strom
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428672
Gebunden, 93 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Es ist Sommer. Die Dichterin hält Mittagstisch an ihrem Platz neben dem Klavier, ihr Mäzen spielt Tennis, siebzehn Flugstunden weit weg, der Besitzer des französischen Restaurants bedient sie stets selbst. Die Oliven sind schwarz, fest und scharf. Dieser lustvolle Weltbezug steht im Gegensatz zu einer Existenz der Askese, zu der niemand Zutritt hat. Beide Lebensplätze - Tisch und Klause - befinden sich im rückwärtigen Viertel, jenem Stadtviertel, von dem es vor dreißig Jahren hieß: Die Russen sind fort. So wie die Dichterin hier Erinnerungs- und Zukunftspartikel einsammelt, bis es zu einer plötzlichen Partikelverdichtung kommt, so abrupt durchfährt sie eines Nachts ein unbekannter Strom, als sollte sie unter hohem Druck aus ihrem Körper vertrieben werden. Es ist an der Zeit, ihre Siebensachen zu packen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.06.2019

Das Schreiben der Angela Krauß ist weder Lyrik noch Erzählung, weiß Rezensent Jörg Magenau. In jedem Fall aber scheint es ihm  ganz und gar gegenwärtig, auch dann, wenn Krauß vor dem Hintergrund der eigenen Vergangenheit erzählt. Im Wesentlichen versuche sie stets die "Essenz des Lebens" einzufangen, erklärt er. Im aktuellen Buch beobachtet Magenau Krauß' Erzählerin, die sich selbst augenzwinkernd als "Poétesse" bezeichne, beim Sinnieren am Tisch eines Restaurants oder in ihrer Wohnung in Leipzig, auf ein Gedicht, die Muse oder den Postboten  wartend . Das Resultat sei ein aus "fragilen" Farbsplittern zusammengesetztes "Prosakunststück", das man zudem auch unter poetologischen Aspekten lesen könne, meint der angetane Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.02.2019

Sarah Elsing folgt dem Sprachstrom des Prosastücks von Angela Krauß und stellt fest: Es handelt sich dank der dichten, feinen, bild- und zitatreichen Sprache mit Anklängen an die deutsche Romantik wohl eher um ein Gedicht in fließenden Sätzen. Als "inneres Porträt" einer Dichterin überrascht es Elsing mit Schwerem und Leichtem, mit dem gespannten, mitunter dräuenden Warten auf die Ankunft des Gedichts, in dem Momente der Erinnerung und der Zukunft sowie Motive aus anderen Werken (Rilkes, Goethes und der Autorin) zusammenkommen.

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