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Angela Lehner

Vater unser

Roman
Cover: Vater unser
Hanser Berlin, Berlin 2019
ISBN 9783446262591
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2019

Rezensentin Elena Witzeck hat sich von Angela Lehners Debütroman gern in die Irre führen lassen: Von Beginn an ahnt die Kritikerin, dass mit der Erzählerin etwas nicht stimmt, schließlich ist sie in der Psychiatrie, aber dennoch lässt sie sich von der interessanten Figur immer wieder in Identifikations- und Sympathiemomente locken. Für Witzeck wirft die psychisch kranke Erzählerin unweigerlich die Frage auf, wie gesund man eigentlich selbst ist - schließlich ist sie an derselben Welt erkrankt, in der auch wir leben. Darüber hinaus hat die beeindruckte Rezensentin schon lange kein so unerwartetes Finale mehr gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.07.2019

An Thomas Bernhard muss Daniela Strigl bei der Lektüre von Angela Lehners Romandebüt "Vater unser" unweigerlich denken, nicht nur weil es mit Thomas Bernhards Erinnerungsbuch "Wittgensteins Neffe" den Schauplatz - das Wiener Otto-Wagner-Spital - teilt, sondern auch, weil die Tiraden von Lehners Ich-Erzählerin Eva die Rezensentin an die Gift-und-Galle-Prosa Bernhards erinnern. Eva ist für Strigl der "Prototyp der unzuverlässigen Erzählerin", das schelmisch-trotzige Spiel, das sie mit ihren Therapeuten und Ärzten spielt, erstreckt sich möglicherweise durchaus auch auf die Leserinnen und Leser. Dabei entsteht eine ebenso energiegeladene wie "ironische Milieustudie und ein eigenwilliges Charakterbild", stellt die Rezensentin beeindruckt fest.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.04.2019

Auch wenn Rezensentin Veronika Schuchter beim Lesen von Angela Lehners Debütroman nicht weiß, woran sie sich halten soll, und Lügen und allgemeine Verunsicherung die Erzählungen der psychisch angeschlagenen Erzählerin prägen, ist Schuchter begeistert. Auch wenn sie die Ursache der im Buch verhandelten Familien-Psychosen nicht erfährt, bleibt sie dabei und folgt der Erzählerin in ihre Erinnerungen an einen überlebensgroßen Vater, an Katholizismus, Dumpfheit und Lieblosigkeit unterm Herrgottswinkel. Reizvoll findet Schuchter den Text nicht zuletzt wegen seiner gekonnten Verbindung unterschiedlicher literarischer Traditionen, Genres und Motive.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Rezensentin Daniela Strigl zeigt sich beeindruckt von Angela Lehners Vaterabrechnung. In die Fußstapfen von Peter Henisch und Josef Winkler scheint die Autorin mit ihrem Debüt durchaus hineinzupassen, behauptet Strigl. Dass Lehner mit dem Steinhof das Setting einer berüchtigten psychiatrischen Klinik wählt, in dem sie ihre manische Heldin rotzig über Ärzte und Patienten herziehen und die Kärntner Kindheit memorieren lässt, scheint Strigl zu gefallen, zumal Lehners Figur keine Larmoyanz zeigt. Klischeefrei schließlich gelangt die Erinnerung zum laut Strigl absichtsvoll undeutlichen Bild des Familienoberhaupts als kettenrauchendem Verschweiger. Für die Rezensentin ein respektables Debüt.
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