Als Kölner Stamme bezeichnen sich rund 80 Vereine aus Köln und Umgebung, die in ihrer Freizeit historische Lebenswelten ihnen 'fremder' Kulturen nachahmend darstellen. Sie verkleiden sich als Dschingis Khan oder Attila und widmen einen Großteil ihrer Freizeit der Herstellung aufwendiger Kostüme. Solche Reenactments als Praktiken des Verkörperns, Verortens und Vergegenwärtigens vergangener Ereignisse haben sich während der letzten Jahrzehnte zu einer populären Freizeitbeschäftigung entwickelt. Anja Dreschke hat für ihre medienethnografischen Forschung die Kölner Stamme über mehrere Jahre mit der Kamera begleitet und ist der Frage nachgegangen, wie sich mediale Repräsentationen und Imaginationen vom 'Anderen' in ihren Reenactments spiegeln, die mehr über das 'Eigene' als über das 'Fremde' auszusagen scheinen. Ihr Dokumentarfilm "Die Stämme von Köln" (D 2010, 90 Min.) steht im Zentrum der Publikation und wird durch Texte und Fotografien kommentiert, reflektiert und erweitert. So gelingt der Autorin eine dichte Beschreibung der Kölner Stämme zwischen künstlerischer Forschung und experimenteller Ethnografie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2024
Rezensent Bernd Stiegler liest Anja Dreschkes medienethnografische Studie zu ihrem Film über das alljährliche Happening des Kölner "Campings in Kostümen", wo sich die Besucher als Wikinger, Römer oder Goten verkleiden, mit Interesse. Wie man sich so einem Akt kultureller Aneignung nähert, welche moralischen Implikationen hier wirken und welche Probleme auftauchen, behandelt die Autorin laut Stiegler anhand von 40 Filmszenen und satter anthropologischer Theorie von Franz Boas bis Johan Huizinga. Am Ende weiß der Rezensent viel besser, wie er den Film "zu lesen" hat.
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