Anne Tyler

Die verlorenen Stunden

Roman
Cover: Die verlorenen Stunden
Kein und Aber Verlag, Zürich 2010
ISBN 9783036955711
Gebunden, 302 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Simone Jacob. Als Liam Pennywell seinen Job verliert, beschließt der 60-Jährige aus seinem Haus in eine Wohnung zu ziehen. Er hofft, dort Ruhe zu finden und auf sein Leben zurückblicken zu können. Doch dann kommt alles anders: Liam wird in der ersten Nacht in seinem neuen Heim überfallen. Als er am nächsten Tag im Krankenhaus aufwacht, kann er sich nicht an die Geschehnisse erinnern. Von da an ist er nur noch von einem einzigen Gedanken besessen: Er muss sein Gedächtnis wiedererlangen. Auf der Suche nach dem verlorenen Stück Leben lernt er die 22 Jahre jüngere Eunice kennen. Obwohl sich ihre Welten grundlegend voneinander unterscheiden, fühlen sich die beiden zueinander hingezogen. Doch als Liam erfährt, dass Eunice bereits verheiratet ist, droht ihre Liebe zu zerbrechen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2011

Anne Tylers Roman um einen älteren, arbeitslosen Philosophielehrer, der nach einem Überfall sein Gedächtnis und sein Selbstbewusstsein verliert, scheint Rezensent Martin Halter ein wenig zu betulich. Von der großen Erzählkunst, die der Autorin den Pulitzer-Preis einbrachte, spürt er in diesen Roman wenig, wofür er nicht nur die Übersetzung verantwortlich macht. Er hält Tyler vor, Probleme des Alterns wie Gedächtnisschwund, Langeweile, Einsamkeit nur oberflächlich zu skizzieren. Vor allem aber gelingt es der Autorin in seinen Augen nicht, das satirische Potential der Geschichte zu entwickeln. Stattdessen stößt Halter zu oft auf "kindischen Slapstick". Sein Fazit: eine "harmlos warmherzig" Lektüre, bei der man gut einschlafen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.09.2010

Der Titel "Verlorene Stunden" von Anne Tylers neuem Roman erscheint der erbosten Rezensentin Kristina Maidt-Zinke deshalb als passend, schlicht weil er sie an die Lebenszeit erinnert, die sie mit diesem Roman verschwendet hat. Es geht um den ältlichen Lehrer Liam Pennywell, der arbeitslos vor sich hin lebt, bis er eine Amnesie erleidet und alsbald erkennt: Er litt bereits sein ganzes Leben unter einer Art von Gedächtnisverlust, da er alles - Kindheit, Frustration in gescheiterten Beziehungen, die drei Töchter - schon immer verdrängt hat. Der Rezensentin ist es ein Rätsel, warum Nick Hornby und Jonathan Franzen Tyler als eine der besten Erzählerinnen der Gegenwart preisen. Denn Maidt-Zinke hat eine "flügellahme Pensionärsgeschichte" ohne Komik und tragischen Tiefgang gelesen, und die Übersetzung mache es auch nicht besser, im Gegenteil.

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